Monthly Archives: November 2016

Die Verkäuferin in der Kleiderboutique, jung, ohne Kundschaft, geht im Laden auf und ab, hält vor dem Spiegel inne, wirft einen Blick über ihre Schulter, betrachtet ihren geschwungenen Rücken, das gestreckte Bein, betrachtet sich als Davonschreitende, Weggehende, den Laden Verlassende, und jetzt kehrt sie um und geht in Gegenrichtung, der Spiegel ist jetzt links, der Ausgang hinter ihr. Read more →

„Wir müssen ein neues Publikum generieren.“ So klingt es, wenn die Macher die Kultur übernehmen (ein Museumsdirektor). Read more →

Sonntagmorgen auf der Notfallstation. Die Ruhe unter denen, die warten. Wenn sie etwas sagen, flüstern sie. Auch am Empfangsdesk wird nur halblaut gesprochen. Die meisten sind in Begleitung, mit der sie kaum ein Wort wechseln. Mein gebrochener Arm wird mit einer Schulterweste ruhiggestellt und meine Jacke, in die ich nicht mehr passe, wird mir in abenteuerlicher Art um den Leib… Read more →

Das Wort Koran leitet sich von qur’an her, das „Vortragen, Rezitieren, Vorlesen“ bedeutet. Es bezeichnet sowohl das Buch als auch die Tätigkeit es zu lesen. Das hat mit der Tradition zu tun, den Koran mündlich weiterzugeben. Lesen und Buch als Ein- und Dasselbe. Ich korane, ich romane, ich bible.   „Die Gelehrten sagen, dass sich die Gnade auch dann herabsenke,… Read more →

Über die Stille zu schreiben ist wie über Gott schreiben, man kommt immer wieder auf sie zurück, ohne ihr Wesen ganz erfassen zu können, und läuft dabei Gefahr, sektiererisch zu werden. Read more →

Ihre Freundin habe in der S-Bahn gesessen, zusammen mit andern Passagieren, die Augen geschlossen und ohne Bewegung. Wie lange sie unterwegs gewesen sei, wisse man nicht, jedenfalls scheine an der Endstation niemandem aufgefallen zu sein, dass sie nicht aufstand und den Wagen verliess. Erst im Depot habe ein Bahnbeamter bemerkt, dass noch jemand im leeren Zug sass, eine Frau, und… Read more →

Er wollte mit mir über eine Fernsehsendung diskutieren, und als ich sagte, ich besässe keinen Fernseher, drückte er er mir die Nacherzählung eines You-tube-Videos aufs Auge. Read more →

Das Erwachen der Pferde

Die zwei Pferde haben sich auf der Weide niedergelassen. Das eine liegt auf der Seite, alle Viere weit von sich gestreckt, nur das untere Vorderbein ein wenig angezogen. Das andere hat die Beine unter den Leib geschoben. Sie sind alt, werden keine Jungen mehr haben, werden kein Rennen mehr gewinnen. Wenn ein Auto vorbeifährt, spielen sie mit den Ohren, ohne… Read more →

„Die Bundesanwaltschaft hat drei geständige Kreditkarten-Hacker auf freien Fuss gesetzt. Dies, weil sich durch weitere Ermittlungen Überhaft ergeben könnte.“ (NZZ 7.11.) Manchmal scheint mir, ich sässe auf der Welt in Überhaft, wartend auf das Urteil, das erweisen werde, dass das Mass meiner Strafe mit allen Zinsen längst abgesessen sei. Read more →