Monthly Archives: Juli 2018

Die Stille im Haus ist umso geheimnisvoller, als ich weiss, dass seine Bewohner jetzt alle zu Hause sind.   An einem Buch hängen wie am Tropf.   Ich bin mitten in der Lektüre seiner Autobiographie, die er, schwerkrank, vor wenigen Wochen publiziert hat, da stirbt der Freund. Ich lese weiter. Auf jeder Seite, die ich umblättere, lebt er noch. Read more →

Von neuen Gläsern, aus denen noch niemand getrunken hat, die noch keine Erinnerungen gespeichert, die noch keine Lippen geküsst haben, gehen keine Impulse aus, sie sind leblos. Erst das Nippen, Schlürfen, Trinken, Bechern, Hinunterkippen macht aus ihnen allmählich auratische Gegenstände. Die Menschwerdung der Dinge durch ihren Gebrauch. Read more →

Die Motoren des Busses röhren im Tunnel derart, dass die Musik im Kopfhörer nicht gegen sie ankommt. Ich möchte durch den Lärm hindurch Johann Sebastian Bach hören und höre doch nur durch Johann Sebastian Bach hindurch den unerträglichen Lärm.   Wie oft am Tag achtest du dich auf das Schlagen der Turmuhr? Zwei, drei Mal und einige Male in der… Read more →

Zwei kreisende Störche über den Dächern: rückwärts laufende Zeit. Rückwärts laufend bis zum Lesebuch der Primarschule mit der Zeichnung vom Storch, der einen Frosch im Schnabel trägt. Dort rastet sie ein, dort bleibt sie stehn.   Das Lügen macht sie unnahbar schön, oszillierend zwischen ihrer und deiner Wirklichkeit.   Gibt es eine Heimat, in der man nicht Sehnsucht nach einer… Read more →

Durchs offene Fenster das plötzliche Geschrei der Leute, die unten in der Gasse vor dem grossen Bildschirm sitzen und ein Spiel der Fussballweltmeisterschaft verfolgen. Es hat ein Tor gegeben, und bald wird das Tor auch auf dem Schirm meines Computers fallen. Noch weiss ich nicht, auf welcher Seite. Fast eine Minute verbringe ich in geisterhafter Vorfreude.   Die Saftwurzelsprache der… Read more →