Monat: April 2026

Ein Diener seiner selbst sein. Oder besser ein Herrscher seiner selbst? Der Herrscher würde automatisch zum Diener. Also Diener bleiben. Der Kohlweissling, das quecksilbrigste Weiss allen Weisses. Lass ab vom Superlativ, vergiss den Komparativ, komm herunter zum Positiv. Auf ihn ist Verlass. Bekäme ich eine Liebesnacht geschenkt und hätte zwischen zwei Kurtisanen zu wählen, ich würde beiden ein gut verpacktes… Read more →

Ich bin noch immer ortsfremd. „Dass mir auf Erden nicht zu helfen war“, kann ich nicht behaupten, mir wurde stets rechtzeitig geholfen, oft auch aufgeholfen. Ich lebte in einer stabilen Heimat. Doch heimisch wurde ich nicht. Das rätselhafte Wegbleiben einer Socke nach dem Waschen. Als ob sie nur auf eine Gelegenheit gewartet hätte, um auszubüchsen. Hatte sie es nicht gut… Read more →

Der Alte im Dorf, der drei Pferde, einen alten Hasen und gegen zwei Dutzend Katzen hat, verlässt sein Haus nie, führt kein eigenes Leben, geht in der Pflege seiner Tiere auf wie ein Stück Zucker in einem Glas Wasser aufgeht. Die Äpfel blühen, sie arbeiten schon jetzt an ihrem Kerngeschäft. Verglichen mit den Nächten, in denen ich mit eingezogenen Kopf… Read more →

Eine noble Geste: jemandem Zeit lassen. Noch edler: ihm etwas von der eigenen Zeit geben. Die Liebesgeste: seine Zeit mit jemandem teilen. Der Tag und ich, das ungleiche Paar. Holt er mich hell und munter aus dem Bett, fühle ich mich alt. Bricht abends sein Licht, werde ich so richtig jung. Unterwegs begegnen wir uns für einige Stunden auf Augenhöhe.… Read more →

Schwalben, die ersten, die ich sehe, im kalten Nieselregen auf einem Kuhdraht nahe über der Wiese sitzend, zusammengefaltet zu kleinen Paketen, die bei meinem Näherkommen wegkippen und knapp über das Gras flapsen, stumm, erschöpft von der Reise. „Wir hoffen auf den Schutz der Mutter Gottes und auf die Präzision unserer Langstreckenwaffen“: Wolodymyr Selensky gestern in seiner Osteransprache aus einer orthodoxen… Read more →

Die Brille, nach der ich in allen Winkeln, Schubladen, Jacken und ja, auch auf der Nase suche, liegt dann auf dem Buch, das ich bereitgelegt habe, dort hingetan von routinierter, vor lauter Routine unaufmerksam gewordener Hand. Gelegentlich holt mich Peter Handke, der sich in seinen Notizen durch Jahre und Jahre fortschreibt, bei meiner Lektüre ein wie gerade jetzt zu seiner… Read more →

Der Garten, bevor noch ein Same ausgesät, ein Setzling gepflanzt ist, liegt da als sattes Versprechen, als konkrete Utopie, in reiner Potentialität, die handfest reell ist und eine Verwirklichungsrate urgeschichtlichen Ausmasses in sich trägt. Der ununterbrochen wirbelnde, drehende, orgelnde, sich emporwindende Gesang der Lerche als Beruhigung und Bestätigung: es geht weiter, es wird, muss, soll, darf weitergehen. Stiller Teilhaber des… Read more →

Wie ein kleiner Schatten, zum Beispiel der meine, im grossen Schatten eines Hügels verschwindet als in einem unermesslichen Reich ohne Unterschiede, und wie dieses seinen unzähligen Bewohnern je nach Lichtverhältnissen dann auch wieder ihre volle Souveränität zurückgibt. Sie ist verrückt nach Goldammern. Kaum sieht oder hört sie eine, reisst sie den Feldstecher hoch und sucht sie wie andere Gold suchen,… Read more →

Das Team aus Archäologen vor der aufgerissenen Strasse, es betet, über den Graben gebeugt, ein mittelalterliches Fundament aus dem Boden. Eine durchhustete Nacht ist weit schlimmer als eine schlaflose: In dem von den Hustenanfällen durchgeschüttelten Körper können sich keine Bilder entfalten. Geduldig, gefasst, gleichmütig, tolerant wie ein Bleistift. Read more →

Andererseits machen Wortfindungsstörungen auch kreativ und führen zu sprachlichen Volten, Verzierungen, Neuschöpfungen. Nichts bringt den Sprechenden mehr in Schwung als Wortfindungsstrategien. Als sei ein Traktor quer übern Himmel gefahren, so die Wolkenspur gerade jetzt. Eine jüngere Frau, auf der Strasse geschüttelt von einem Lachen, das so lange dauert, dass ich beim Zuhören nach Luft ringe. Als ich endlich wieder durchatmen… Read more →