Ich suche nach einem Wort wie nach einer entlaufenen Ziege. Zu der Verzweiflung über die vergebliche Suche gesellt sich die Demütigung, dass es mir überhaupt entfallen konnte. Auch wenn es sich später wieder einstellen mag, bleibt die Angst, dass ich sie reihum verlieren werde, die Wörter, und mich nach jedem von ihnen auf die Suche machen muss – wie ein Hirte eben, dessen Ziegen gleich wild bleiben, dessen Zaun aber löchrig geworden ist.

 

Die Leute alle, die ich je kennengelernt habe, vor mir versammeln als Lehrer, die mich an ihrem Wissen teilhaben lassen – einem Wissen, nach dem zu fragen ich damals unterliess.

 

„Voll des Sommers bin ich / die Hirschkuh, die einen Huf anwinkelt / wie eine Frage, kurz davor, Wurzeln / zu treiben“  – so Ocean Vuong  über die Angst und Gier des homosexuellen Jungen in Gegenwart eines ihm zusehenden Mannes (Nachthimmel mit Austrittswunden, Hanser 2020)

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