Im Fernsehen das Bild einer jüngeren Frau in Mantel und Stiefel. Sie steht an einer Strassenecke einer ukrainischen Stadt. Vor ihr rollt eine Kolonne gepanzerter Fahrzeuge vorbei. Sie wendet sich jedem von ihnen einen Moment zu und klatscht in die Hände. Offenbar ist sie spontan stehengeblieben, vielleicht auf dem Weg zum Einkauf, und applaudiert nun, allein und unverdrossen, in die Einöde aus Asphalt und Stahl hinaus. Ohne dass sie davon etwas ahnt, schreibt sie in der Berichterstattung des Senders, auf dem das Video zu sehen ist (arte), eine Art stumme Bilderklärung mit: Wir Bewohnerinnen und Bewohner der ukrainischen Städte sind stolz auf die einheimischen Soldaten, die unser Land verteidigen; wir werden sie nach Kräften unterstützen. Das Bild gehört zu jener Kategorie, die eine Reportage ersetzen und sich fest ins Gedächtnis eingraben.

 

Und noch so eines. Der Fotograf Lesha Berezovskiy hat es am ersten Kriegsmorgen, dem 24. Februar, in seiner Wohnung in Kiew aufgenommen. Es zeigt seine schlafende Frau. Sein Kommentar: „Agata schläft. Sie weiss noch nicht, dass ihre Welt nicht mehr ist, wie sie war.“ (aus „Republik“)

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