Die Elektronik der Kirchenuhr ist defekt. Vom Turm schlägt es wie gewohnt, aber zu falscher Zeit. Sehr irritierend. Ich beobachte mich dabei, wie ich, wenn es drei Uhr schlägt, mein Gefühl intuitiv auf Mitte Nachmittag stelle, obwohl es erst elf Uhr morgens ist. Oder dass ich ans Mittagessen denke, wenn ich es einmal schlagen höre, obwohl es fünf Uhr ist und gegen Abend geht. Ich sehe sozusagen dem Entstehen des Zeitgefühls zu, das mich in diesem kurzen Moment des Fehlschlags erfasst und auf Bestätigung wartet, bevor das Bewusstsein sich einmischt und die Verhältnisse klärt.

Die mit fast reifen Früchten behangenen Äste bewegen sich im Wind anders als noch vor einigen Wochen, als sie Blüten trugen, irgendwie bedächtiger, wie leicht verzögert und selbst bei heftigen Böen mit einer Art Beschwichtigungsgestus.

Lebensgefühl: Die Welt saust, rast, eilt voran, und ich bleibe stehen. Oder so: Ich bleibe stehen, und die Welt saust, rast, eilt voran.

Wie wohltuend eine sprachliche Umstellung sein kann.

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