Schon morgens um zehn Uhr ein sciroccoartig heisser Wind. Die jungen Schwalben unterm Nachbardach haben die Hitze nicht überlebt, sie liegen tot in ihren Nestern.
Das Grün der Wälder zusehends durchsetzt mit Herbstfarben. Die Hitze ist stärker als die Disziplin der Jahreszeiten, fast ist man versucht zu sagen: stärker als die Natur.
Von Zeit zu Zeit ein verhaltenes Aufglucksen der Amsel: ihr Obachtruf, die Losung des Wachtpostens im Gebüsch.
Tiere versprechen dir nichts und können dich demzufolge nicht enttäuschen, sie sind selbst in der Untreue unschuldig.
Die Hitzewellen erinnern an die Zeit der Pandemie, sie werfen einen zurück auf wenige häusliche Handreichungen und Schlurfschritte.
Jemand übt bei offenem Fenster auf dem Klavier, in einer Distanz, die alle Misstöne, Abbrüche und Wiederholungen zu einer weich dahinfliessenden Etüde zusammenschmeichelt.