Sie sei, sagt sie am Telefon aus dem Krankenhaus, oben am steilen Strässchen gestanden und habe mit ihren Krücken mutig den Abstieg in Angriff genommen, da sei sie ausgerutscht und gefallen. Ich folge ihrer Schilderung ganz und gar. Hinterher fällt mir ein: in ihrer Umgebung hat es keine steile Stelle, die Gegend ist topfeben. Read more →
Autor: Rudolf Bussmann
Ein Video zeigt Alberto Giacometti in seinem Atelier. Giacometti arbeitete nicht, wie man annehmen könnte, indem er die Körperlichkeit seiner Figuren immer weiter reduzierte, bis kaum mehr etwas von ihnen blieb. Vielmehr klebte er sein Material an einen nackten aufrechten Draht und bearbeitete es mit den Fingern. Er drückte es zurecht, brachte neues dazu, knetete es, bis er mit der… Read more →
Die Manifestation
Die Place de la République in Paris kündigt sich im Näherkommen mit dem hohen Ton des Aufruhrs an. Von weiten ist eine Ansammlung auszumachen, die sich als Demo herausstellt. Eine schrille weibliche Megaphonstimme gibt einen Slogan vor, den die Demonstrant:innenen litaneiartig wiederholen. Der Chor auf dem Platz ist präzis und schlagkräftig, seine Mitglieder scheinen die Sätze genau zu kennen. Eine… Read more →
Am Schreibtisch finden meine Selbstgespräche auf Hochdeutsch statt, sonst auf Mundart. Frankreich will eine deutliche Vermehrung seiner Atomsprengköpfe. Frankreich? Präsident Macron. „J’ai décidé de …“ sagte er in seiner Rede auf der Militärbasis der Île Longue bei Brest. Ein einzelner Mann befindet über Milliarden Euro, über Krieg und Frieden eines Landes, eines Kontinents. Demokratie? War es je eine? Der Fuchs… Read more →
Und der Hydrant dort über dem Strässchen, nickt er? Er staunt mit seinem grossen Auge, das auch Nase und Mund ist. Die Vorliebe des Morgenschattens für scharfe Grenzen. Er begradigt, lässt Details und Feinheiten weg, schafft klare Verhältnisse. Wobei – er ist jederzeit bereit, die Grenzen zu verschieben, einzuziehen oder ganz aufzuheben. Read more →
Elsterntanz
Eine Elster versucht, aus einer Ritze im grobgezimmerten, aus senkrechten Latten gefertigten Scheunentor mit ihrem Schnabel etwas herauszuziehen, was sich dort verklemmt hat. Sie flattert hoch, will sich irgendwie festkrallen, pickt in die Ritze, flattert auf den Boden zurück, dann gleich wieder hoch, hakt sich mit den Krallen im Holz fest, pickt von der Seite her, gleitet zu Boden, pickt… Read more →
Plakat im Schaufenster des Waffengeschäfts, das in Konkurs geht: „Wühlkistenwochen“. Pistolen, Kleingewehre, Stellmesser zum drin Wühlen. Den Tag auf den Weg bringen, indem ich mich entscheide, ins Weglose zu gehen. Read more →
cura canis
Zwei Hunde, der eine klein, der andere winzig, rennen auf die Wiese hinaus, machen ihr Geschäft, das sie mit ihren Hinterbeinen kräftig und rasch abschliessen, während ihr Herrchen, in der linken Hand eine Tasse heissen Kaffee, in der andern die Zigarette, daneben steht, bis die Zigarette fertig geraucht ist. Anschliessend überquert er zusammen mit den Tieren, die bei ihm schon… Read more →
So wie uns ein Mensch allein durch seine Existenz vernichten kann, vermag dich ein Mensch allein durch sein Hiersein am Leben zu halten. In der Stille zu sitzen, ohne sich der Stille bewusst zu sein, ist die Ursünde der Wahrnehmung und wird mit wachsender Selbstentfremdung bestraft. Euphemistischer Ausdruck: der Freitod. Die Umdeutung eines Dramas, einer Ausweglosigkeit ins Positive unter Verwendung… Read more →
Zur „Zeitgenossenschaft“ gehört auch eine Portion Aus-der-Zeit-Gefallensein, sonst landet sie im leblos Technokratischen, im modischen Design. Sich hinter der Tastatur verschanzen wie hinter einer automatischen Waffe. Über die Tastatur tanzen wie über die Fliesen einer Halle. Vor der Tastatur sitzen wie vor dem Lächeln der Sphinx. „Produktsicherheit (GPSR). Wir sind der Ansicht, dass unsere Bücher bei sachgerechtem Gebrauch keine Risiken… Read more →