Der Sprache anhand von Vorgängen, Gegenständen, Landschaften etwas Neues entlocken? Oder den Vorgängen, Gegenständen, Landschaften durch die Sprache etwas Neues hinzufügen? Prousts Die Gefangene zusammengefasst in einem Satz: „Albertine in meiner Wohnung zu haben, war viel weniger für mich ein positives Vergnügen, als dass es vielmehr darin bestand, der Welt, in der jeder seine Freude an ihr hätte haben können,… Read more →

An manchen Tagen ist meine Brust leer wie eine Kirche, und jedes noch so leise Geräusch hallt lange nach. Am äussersten Zweig der Linde hängen kleine runde Samenkapseln vor dem Himmel wie Füsschen, die, wenn der Wind sie in Bewegung setzt, im Takt gegen die Spitze marschieren. Im Hitzeflimmern über dem Feld würden Parapsychologen vielleicht das Ektoplasma des Bodens erkennen? Read more →

Am frühen Morgen eine einsame Schwimmerin im ersten Sonnenlicht, selbstvergessen den Rhein hinunter jodelnd. Ist Glück ohne andere denkbar? Ein privates Glück in der Abgeschiedenheit? Nur im Bewusstsein, dass es die anderen gibt, dass zum Beispiel in New York einer von ihnen wohnt. Nur in einer gesteigerten Anwesenheit der Abwesenden. Unterscheide Leute, die dich bei einem Beinahe-Zusammenstoss erstaunt, lachend oder… Read more →

Vermehrt auf die Umwegweiser achten. Überhaupt nur den Umwegweisern vertrauen. Sie preisen kein Ziel an, locken mit keiner Zeitangabe, zeigen einfach den Weg. Ich mit dem offenen Buch und der Jungvogel mit dem offenen Schnabel, beide sind wir bedürftig nach Futter. Könnte man von blossem Heuduft besoffen werden, ich wäre es jetzt. Und lassen wir den Konjunktiv ruhig weg. Das… Read more →

Es gibt Stellen am Körper, auch im Gesicht, wo sich Bläschen bilden, Hautauswürfe, Pusteln, wo etwas sich vom Ganzen lossagt, fortan in trotziger Segregation für sich bleiben will, als Körperverweigerer, wie es Staatsverweigerer gibt. Die Wohltätigkeit des Windes, der einen Zweig leicht bewegt. Eigentlich fast schon eine Heiltätigkeit. Ein Hundstag Gebell. Ein Katzenwurf Maunzen. Eine Kuhhaut Muhen. Read more →

Die Apotheke ist mitten in den Komplex des Tankstellenshops eingebaut. An der Strasse hängt über der Shellmuschel die Apothekerschlange, zwischen den Tanksäulen hindurch sieht man auf die Regale mit den Medikamenten. Beim Eintreten das Gefühl, mir würde gegen den Husten jetzt ein Fläschchen Autobenzin empfohlen. Während einer Yoga-Übung der Eindruck, auf einer Wolke zu liegen und emporgetragen zu werden. Wohin?… Read more →

Seit mich die Nachricht erreichte, ein Freund liege im Sterben, höre ich seine Stimme: grüssend, fragend, erzählend, sich ereifernd, rufend. Er verabschiedet sich redend. S. über seinen sterbenden Freund: „Er wird schwächer von Tag zu Tag, aber er ist nach wie vor heiter und entspannt. Ich habe ihm gestern gesagt, es gehe eigentlich nicht bergab mit ihm, sondern bergauf. Er… Read more →

Bei schwachem Wind wiegt sich das kleine Windrad aus Plastik leise hin und her, ohne recht in Fahrt zu kommen. Es wäre ein guter Augenblick, ihm als Gartenorakel eine Frage zu stellen. Es würde lange abwägen, das Ja sogleich verwerfen und zum Nein wechseln, es zögerte, kehrte zum Ja zurück, bliebe unentschieden und entliesse den Fragenden ohne Antwort, aber mit… Read more →

Der Zahnchirurg zu Beginn des Eingriffs : Entspannen Sie den Kiefer, und geben Sie mir nun ihre Backe. Verschreiber: der Eigriff  –. Wie die Nachbarn, mit denen man nichts gemeinsam hat, die einem fremd bleiben, über die man kaum etwas weiss, einem ans Herz wachsen können, zu Brüder und Schwestern werden, geboren aus der Fruchtblase der Zeit. Er steht da,… Read more →