Solange ich den Schmerz spüre, ist er nicht chronisch. Solange er mich stört, arbeite ich mit ihm.   Das Sorgendreieck auf der Stirn glätten, die Augen milde werden lassen, den Kiefer entspannen, erst dann zu denken beginnen.     Read more →

Ich suchte mich an den Traum von letzter Nacht zu erinnern, in dem zwei Esel vorkamen. Da fiel mir ein, dass die Esel in einem Roman vorgekommen waren, den ich gerade lese, und ich versuchte mich an die Handlung des Buches zu erinnern. Da kam mir in den Sinn, dass ich die Esel leibhaftig auf einer Weide gesehen und mich… Read more →

„Zu Sowjetzeiten war der reichste Bürger sechsmal so reich wie der ärmste; im Jahr 2000 war dieses Verhältnis auf 250’000 angestiegen.“ Ibrahim Warde in einem Artikel über russische Oligarchen im „Le Monde diplomatique“ (übersetzt in der WoZ vom 8.9.2022). Und weiter: „Die Betrügereien, mittels derer die Reichtümer des Lands geplündert wurden, nannte man „Reformen“. Das Mafiasystem wurde als „Markt“ bezeichnet,… Read more →

Vorhin ein heftiger Donner, der lange blieb, nur langsam leiser wurde, nicht aufhören wollte, auf einmal an Kraft wieder zunahm, bevor er verstummte. Als habe er einmal rund um die Welt gedonnert, bevor er erschöpft an seinem Geburtsort niedergesunken sei.   Ein Vers stört mich nicht beim Zubereiten von Speisen, belebt mich vielmehr. Der Gedanke ans Kochen beim Schreiben dagegen… Read more →

Ein Minenergietag. Die Leistung beschränkt auf Aufnahme und Ausscheiden. Das Zimmer zu durchqueren ist schon eine kleine Wanderung. Read more →

Auch unter den Vögeln gibt es Bauern und Jäger. Die einen sitzen hinter Sämereien, die andern schnappen, hacken, greifen nach beweglicher Beute.   Im Dunkel einer schlaflosen Nacht Seelenwanderungspläne ausbreiten.   Read more →

Ein Spatz hat sich so in den Baum gesetzt, dass ein in der Sonne glänzendes Blatt ihm wie eine Spitzhaube auf dem Kopf zu sitzen scheint. Kaiser Sperling. Wie ich das denke, bemerke ich die Schönheit seines Federkleids. Das Wort Kaiser hat ihn zum Edlen geschlagen. Als ob er solch menschlichem Räsonieren entkommen wolle, fliegt er aus dem Baum, der… Read more →

Er zögert die Beendigung seines Buches seit Jahren hinaus, aus Angst, danach keine Herausforderung mehr zu haben.   Wer von der Welt nichts erwartet, muss nicht erstaunt sein, wenn sie auch von ihm nichts erwartet.   Das Leuchten der Zehennägel im Dämmerlicht, eine perlmuttfarbene Verzierung, die noch den hässlichsten Füssen etwas ästhetisch Verspieltes gibt. Read more →

Die Ameise, die das Bein hochklettert, zwickt mich in regelmässigen Abständen, als präge sie der Haut lauter kleine Buchstaben ein.   Der treffendste Name für Allah ist „der Allversteher“. Nur Gott kann alles verstehen. Falls er etwas nicht versteht, und sei es das Nebensächlichste, ist er nicht Gott.   Read more →

Wenn ich keinen tiefen inneren Anlass zum Schreiben habe, stellen sich doch kleine äussere Anlässe ein, die notiert werden wollen, und genau das ist der tiefere Anlass: den Dingen einen Atem geben.   Immer öfter höre ich einen Freund am Ende eines Gesprächs sagen: Erzähl mir bitte noch etwas Positives! Read more →