Lerne neue Wörter: In den Windparks wird die Zahl des Vogelschlags gemessen, die Quote der durch die rotierenden Flügel getöteten Schlagopfer.   Ihr tut es leid, dass sie mich so angefahren hat. – Wann denn? – Vorhin. – Davon habe ich nichts bemerkt. – Ich umso mehr.   Read more →

Der Ganove

In der Gryffengasse steht ein junger Mann, dünn, harmlos-verschlagen, irgendwie verweht aussehend, inmitten von drei Cops. Man sieht ihm an, mehr als stehlen kann er nicht, er ist nicht zu grösseren Verbrechen fähig. Hätte ihn das Leben nicht auf Abwege gebracht, er hätte mit der Polizei nichts zu tun. Er raucht seine Zigarette betont lässig zu Ende, lässt sie vor… Read more →

Nicht nach dem Vollmond geschaut zu haben, kommt mir als das grösste Versäumnis dieser Woche vor. – Und welches war das zweitgrösste? – Sonst gab es keins.   Der Mai, Monat der schwirrenden Schnurstracksflüge fütternder Vogelpaare zum Wurmfresser im Nest und zurück zum Wurm.   Das Haus gegenüber wird abgerissen, ein altes zweistöckiges Wohnhaus einfacher Bauart, graue Fassade, das Dach… Read more →

Die Pandemie hat neben den Ferien- und Reisetagen auch die von Elektronik freien Tage abgeschafft. Wir wünschen uns per E-Mail gegenseitig ein schönes Wochenende und verreisen darauf online.   Lerne neue Wörter. Zugvögel, mit einem Tracker am Leib versehen, sind besendert. Read more →

Beflissenheit hat weniger mit Fleiss zu tun als mit der Neigung zur Unterwerfung.   „zu gegebener Zeit“ – zu genommener Zeit   Read more →

Die Matthäuspassion hält jedes Mal einen Schluchzmoment bereit, stets an einer andern Stelle. Gestern war es in der Schlafszene der Jünger. Jesus muss sie an den Ernst der Situation erinnern, daran, dass er leidet. Der Covidkranke in der Intensivstation, den Tod vor Augen, der sich die Angehörigen herbeiwünscht, die ihn vielleicht schon vergessen haben.   Eine Fliege hat sich als… Read more →

Einen Tag lang keine Rolle spielen. Sich nichts vornehmen, nichts erwarten. Niemanden sehen. Tun, was sich ergibt. Die Zeit dahin fliessen lassen. Karfreitag, der Tod der Struktur. Und gleich schon Ostern, Auferstehung des Zufalls, der Lust, Triumph der Molluskel über den inneren Athleten.   Es gibt zwei Wege, ganz bei sich zu sein. Der eine ist die Meditation. Der andere,… Read more →

Wieder nimmt der Hausrotschwanz, zurückgekehrt von seiner Reise, seinen Platz von vordem auf dem rostigen Pfahl dort ein, als werde ein Theaterstück, das eine Saison lang abgesetzt war, in gleicher Inszenierung wiederaufgenommen, mit unveränderter Kulisse, mit demselben Protagonisten.   Von den fallenden Blütenblättern, die in der Sonne aufleuchten wie Meteore, hält ab und zu eines im Flug ein, kehrt um… Read more →

Verschobene Liebe

Jetzt sind die Regentropfen und die Knospen am Zweig des Schwarzdorns gerade gleich gross. Sie bleiben getrennt nebeneinander; sie mischen sich nicht, das Volk der Luft und das Volk des Bodens. Erst in einiger Zeit werden die einen via Erdreich, Wurzeln, Äste, Zweige zu den andern gelangen und mit ihnen eins werden. Read more →