Als man sich auf der Strasse spontan umarmte. Als man sich ungeniert die Hand gab. Als man im Gegenüber noch nicht den Patienten sah.   Die durchscheinenden Gewebe, die das Rotkehlchen mit seinem Gesang über die Hecken wirft. Read more →

Deine Lider sind so schwer, dass du fürchtest, sie könnten abfallen und zwei Kerben in das Tischblatt schlagen.   Die Katze macht einen Sprung, rast den Stamm hoch, ihr Schwanz ist in heftiger Bewegung. Sie sucht das Abenteuer. Sie springt hinunter und rast einem vom Wind fortgewehten Blatt nach. Welche spannende Welt. Und wie gut, dass sie diese nie zu… Read more →

Er pökelt sein vergangenes Leben ein in Wörter. Als versprachlichtes Leben kann er es lagern, ohne dass er befürchten muss, es könnte sich im Laufe der Zeit verändern.   Die Sprache ist das soziale Milieu, in dem jeder glaubt, ungestraft Dieb, Mörder und Verbrecher werden zu dürfen.   Read more →

Der Besuch eines öffentlichen Konzerts, an dem ich niemanden kannte, vermittelte dennoch stets den Eindruck, unter Freunden zu sein. Jetzt, wo solche Heimat schaffenden Veranstaltungen untersagt sind, wächst das Gefühl, freundlos zu sein.   Ernstlich krank werden, um die Freunde herbeizurufen.   Man kann sein Leben retten. Man kann seinen Verstand retten. Seine Ehre. Alle seine Teile und Partikularitäten. Aber… Read more →

Vielleicht Bohnen

Es ist kurz vor Ladenschluss, ich bin in Eile, weil ich noch mein Abendessen einkaufen muss. Da läuft er mir über den Weg. Auf sein „Wie geht’s?“ antworte ich mit einem kurzen „Gut. Und dir?“ und halte auf den Eingang des Einkaufszentrums zu. „Gottlob etwas besser“, sagt er und bleibt vor mir stehen. Ich hüte mich, nachzufragen, was er damit… Read more →

Jeder Mensch hat seine ihm eigenen Methoden, um das, was auf ihn täglich eindringt, zu verarbeiten. Am energiesparendsten ist die umfassende Abgrenzung dagegen. Verschwörungstheoretiker sowie alle Arten von Leugnern (Corona-, Klima-, Holocaust- etc.) kommen mit einem Minimum an Aufwand durch den Tag. Sie leben alle im gleichen psychischen Minergie-Haushalt.   Oft bin ich mir selber unwegsam und nebelhaft. So durchwandere… Read more →

„Es kommt vor, dass ich nichts zu sagen habe, nie aber, dass ich nichts zu schreiben habe. Denn Schreiben ist gestisch, es hängt zusammen mit einer selten euphorischen Möglichkeit, die aber, wie das Gehen, jedem unentbehrlich wird, der sich einmal dafür empfänglich gemacht hat. Es ist ein Sport, eine Übung im Valéry’schen Sinne. Wenn ich nicht schreibe, nehme ich zu,… Read more →

Georges Perros gab ab 1969 an der Universität Brest „Kurse im Unwissen“ (cours d’ignorance). Solcherart Kurse müssten für alle Studierenden, und auch für den gesamten Lehrkörper, zum Pflichtprogramm gehören.   Beim Ordnen, Versorgen alter Gedichte, Gedichtversuche stosse ich auf kleine und grössere Zellverbände, satt mit Blut gefüllt, durchaus nicht ausgetrocknet, aber an keinen lebendigen Kreislauf mehr angeschlossen, deshalb nicht mehr… Read more →

Das Coronavirus hat kein Ziel, keinen Auftrag, keinen Plan B. Das macht es einer bestimmten Art Kunstwerk ähnlich. Die Angst des Menschen vor ihm ist die Angst vor der Absichtslosigkeit, der Strategielosigkeit, der fehlenden Logik.   In Rezensionen von „Doppelte Spur“ ist davon die Rede, dass Ilija Trojanow „noch“ nach der Wahrheit suche, was ihn als Autor alter Schule kennzeichne.… Read more →

Heute gehen Trumps letzte Tage als US-Präsident zu Ende, in denen er nur noch die Extreme bediente, durch das Begnadigen all seiner verurteilten mafiösen Freunde und das Unterschreiben von hängigen Todesurteilen. Nie trat sein ungezügelter Charakter besser zutage als hier, im Ausleben seiner Macht über Leben und Tod, über Recht und Unrecht.   Als Trumps Anhänger im Fernsehen die Bilder… Read more →