Fast nicht auszuhalten: wie auf spiegel online das Tagebuch aus Kiew mit seinen Aufzählungen der Kriegsgräuel, der Bombardierungen, der Angst von Zurückgebliebenen immer wieder unterbrochen wird von Reklamen. Zwischen den Sätzen der Autorin Yevgenia Belorusets werden Dinge und Serviceleistungen angeboten, als wäre deren Text nur Füllmasse zwischen den Werbebotschaften.  ­ Die Werbung liebt Auftritte in emotional aufgeheizter Atmosphäre, sie geht… Read more →

Die Decke des Hotelzimmers

Mir fiel, als ich diese Nacht schlaflos im Hotelbett lag, nicht mehr ein, wie die Decke in diesem Zimmer aussieht. Bestand sie aus Holz? Hatte sie Verzierungen? War sie in einer bestimmten Farbe gehalten? Je länger ich rätselte, desto wacher wurde ich. Nach langem Zögern machte ich, um mich von der Ungewissheit zu erlösen und endlich schlafen zu können, noch… Read more →

Die ungleichen Zungen, mit denen über Menschen in Kriegsgebieten gesprochen wird. Es gibt zweierlei Opfer, Zivilisten und Soldaten. Von den letzten sprechen die Medien nicht, auch deshalb nicht, weil meist keine Zahlen bekannt gegeben werden. Als ob ein toter Soldat nicht zählte. Es gehört zum Propagandakriegs, dass man die Opfer unter den Zivilpersonen nennt, um den Feind zu diskreditieren und… Read more →

Ich konsumiere Nachrichten wie ein Süchtiger, als ob die Erlösung aus einem elektronischen Gerät kommen könnte – ein plötzlicher Stimmungsumschwung in der russischen Führung, eine Sensationsmeldung der ukrainischen Armee. Die Nachrichten beziehe ich aus verschiedensten Quellen, nicht aus Furcht vor Fake News, sondern weil ich das Ungeheure nicht fassen kann. Ich brauche mehrere unabhängige Bestätigungen für etwas, das mein Innerstes… Read more →

Wer in Putins Russland das Wort Krieg in Verbindung mit der Ukraine benutzt oder andere als die von staatlichen Stellen vorgegebenen Informationen verbreitet, muss mit bis zu 15 Jahren Gefängnis rechnen. Die Wahrheit hat nun einen genauen Preis, 15 Jahre Freiheitsentzug. Die Duma verabschiedete einstimmig ein entsprechendes Gesetz. Einstimmig heisst: unter Einbezug der Opposition. Auch diese macht bei dieser schockierenden… Read more →

Die Dinge des Alltags sind auf einmal in Frage gestellt. Es liegt kein Sinn mehr in dem, was man tut, und umso mehr fragt man nach dem Sinn. Freude und Genuss, wie sind sie zu rechtfertigen? Die Lust, wie verteidigt sie sich? Die Normalität, in wessen Namen tritt sie auf? Das Selbstverständliche als Kategorie ist verschwunden. Der Wein, den du… Read more →

Gewöhne dich nicht an die Kriegsbilder. Warte nicht auf neue Horrorvideos. Bewahre das Entsetzen der ersten Stunde. Bleibe erschreckbar bei jeder neuen Meldung. Lass dir die Empörung nicht durch Zahlen und technische Angaben austreiben. Warte nicht auf Siegesmeldungen jeglicher Herkunft, sie handeln indirekt von Toten, Verletzten, Vermissten, verzweifelten Müttern und Geliebten. Sie handeln stets von Verlierern. Read more →

Im Fernsehen das Bild einer jüngeren Frau in Mantel und Stiefel. Sie steht an einer Strassenecke einer ukrainischen Stadt. Vor ihr rollt eine Kolonne gepanzerter Fahrzeuge vorbei. Sie wendet sich jedem von ihnen einen Moment zu und klatscht in die Hände. Offenbar ist sie spontan stehengeblieben, vielleicht auf dem Weg zum Einkauf, und applaudiert nun, allein und unverdrossen, in die… Read more →

Eine Bekannte, Lehrerin, spricht von einem Jungen, der „nicht schulbar“ sei. Vielleicht müsste man, um ihn schulfähig zu machen, zunächst anders über ihn reden. Read more →

Gestern die Hinrichtung des Mehrfachmörders Gilbert Ray Postelle via Giftspritze in Oklahoma. Dazu das Bild einer Todeszelle, in dem die Liege steht, weiss überzogen, mit vier schwarzen Gurten. Davor aber ein Schemel, mit dessen Hilfe der zum Tod Verurteilte sein Schafott bequemer besteigen kann. Eine beflissene Hilfestellung der Dienstleistungsgesellschaft, die dem Delinquenten den letzten Schritt erleichtern soll. Read more →