Gedanken

Es gibt eine Abteilung Gedanken, die ganz für sich ist, nicht an die übrigen Gedanken angeschlossen, von ihnen nicht kontrolliert und ihrerseits ohne Macht über sie, ein Trupp piratenartiger Herumspringer, der auf nichts reagiert und nichts in Bewegung setzt, so dass er bisher unentdeckt und unerforscht geblieben ist. Er gehört auch nicht zu den Die-Gedanken-sind-frei-Gedanken, wie sie sich vor allem… Read more →

Kommt aus dem Osten die Bise, denke ich: Der Wind kommt direkt vom Krieg in der Ukraine. Bei Südwestwind denke ich: Der Wind zieht Richtung Ukraine in den Krieg. Herrscht Windstille wie jetzt, höre ich die Einschläge der Granaten.   Read more →

Der Wind blättert mein Buch einige Seiten zurück und liest dort eine Stelle nach, die er vergessen hat, zerstreut wie er ist. Den Tod kann ich nicht erfahren und nicht denken, nur das Sterben, die Todesangst, die Begrenzung des Lebens. Der Tod als Nichtsein, Gewesensein ist das schwarze Loch des Bewusstseins, in dem alles verschwunden ist. Das Sterben ist sein… Read more →

Man nimmt nie ein Bad in derselben Menge, aber man ertrinkt in immer denselben Parolen, auf die hin sich eine Menge versammelt.   Read more →

Von dem Pfosten hinab auf den Boden fliegend und von da mit einem Käfer im Schnabel stracks zum Ast des Baums, schreibt der Rotschwanz ein V in die Luft. Später, beim Haschen eines Insekts im Bogen zurückkehrend auf seinen Stammplatz, ein O. Weiter kommt er nicht beim Schreiben des Worts VOGEL. Am G sind bisher alle seine Loops und Spiralen… Read more →

Ich erwachte aus einem Traum, von dem ich am Morgen nichts mehr wusste. Ich wusste von ihm am Morgen so sehr nichts mehr, dass ich daran zweifelte, überhaupt geträumt zu haben. Inzwischen bin ich fast sicher, dass mein Schlaf traumlos war, und ich habe grosse Lust, die vorstehenden Erwägungen als null und nichtig zu erklären.   Eine Essenz mischen, in… Read more →

Im Café

Vier, fünf Leute in einem Café, ein Moment regloser Stille eingelegt in das Bernsteinlicht des späten Nachmittags. Über die Auslage mit Confiserie beugt sich eine beleibte Frau mit oranger Tasche, den Mund halb offen, unschlüssig vor Sattheit. Ein Grauhaariger liest neben dem Eingang den regionalen Anzeiger. In der Fensterecke schweigen sich Mutter und Tochter über einem Stück Kuchen gegenseitig an.… Read more →

Die beiden Männer, die vor dem Hoteleingang stehen, blicken beide die gegenüberliegende Fassade hoch, als gebe es dort etwas zu entdecken. Vielleicht sind es Architekten oder Makler, die das Haus kaufen möchten. Jetzt wendet sich der eine dem andern zu, als möchte er ihm etwas sagen, aber er setzt sich in Bewegung und geht grusslos an ihm vorüber. Sie gehören… Read more →

Mückentanz im Baumgarten. Die Mücken stehen, fliegen, flitzen vereinzelt, in mehr oder weniger gleichem Abstand zueinander. Der Raum zwischen den Bäumen wird durch ihre Bewegungen so real wie die Bäume selbst. Mein Blick durchquert ein sichtbar gewordenes Stück Raum, darin die Bäume, die Leere, die Mücken und ich. Man hört über längere Zeit kein Geräusch ausser einem rufenden Sperling. Seine… Read more →

Im Park des Basler Universitätsspitals kam mir mein orthopädisches Spiegelbild entgegen: ein Mann an zwei Krücken, am Fuss ein Ungetüm von Schuh, hinkend, in verlangsamtem Gang. Er beachtete meinen kumpelhaften Blick nicht, blickte starr und finster vor sich hin, wollte von sich kein Spiegelbild sehen. Read more →