Gegen die Langeweile kämpfend wirst du selber langweilig. Hörst du ihr zu, beginnt die Langeweile zu reden.   Der Donner von letzter Nacht drohte das Haus aus seinen Grundfesten zu heben. Am Morgen war ich enttäuscht, dass alle Häuser rings noch standen wie zuvor. Mindestens einige zerbrochene Fensterscheiben wären dem grossen Einsatz des Donners gemäss gewesen. Read more →

Unter innerem Druck zu schreiben ist etwas anderes, als unter innerem Zwang zu schreiben. Der Druck begünstigt die Form, die der Zwang zu vernachlässigen tendiert.   Man trifft im Alltag nur selten auf einen Erwachsenen. Die meisten Menschen sind Kinder, bedürftig nach Zuwendung und Verständnis, unsicher, verletzlich, die unentwegt von sich erzählen. Von ihnen wird das Kind, das man selber… Read more →

Woran glauben Sie denn überhaupt? – Ich glaube, was ich weiss. Und gelegentlich ist mein Wissen auch mein Glauben. Zu glauben, ohne dass wissen im Spiel ist, bewegt sich schon im Bereich des Aberglaubens.   Die zwei Elstern schautzen, schnarren und schnaufen jetzt zusammen im Baum ungefähr so, wie die Katzen schnurren. Man möchte sie unterm Hals kraulen. Read more →

Das unvermittelt mitten im Text auftauchende „Wir wollen jetzt ein bisschen schwätzen“ in Jurek Beckers Roman Jakob der Lügner wäre in einem Werk von heute kaum mehr denkbar. Hier muss die Handlung, animiert durch die Erzähltheorien der Literaturinstitute, zügig vorangehen, darf nicht verweilen, muss Fakten liefern. Wie charmant ein Satz wie derjenige Beckers dagegen ist, welche Wärme von ihm ausgeht,… Read more →

Wir haben über Wochen des Frühlings und Sommers so oft Regen und Wolken gehabt, dass bei jedem zufällig hervorbrechenden Sonnenstrahl das Herz aufgeht. Man schaut gleichsam zu, wie es aufgeht; man spürt, wie die Sinne jubeln, die Seele sich dem Licht zuwendet, und erfährt einen der Momente, wo man das, was mit einem geschieht, nur in poetischen Worten ausdrücken kann.… Read more →

Ich suche nach einem Wort wie nach einer entlaufenen Ziege. Zu der Verzweiflung über die vergebliche Suche gesellt sich die Demütigung, dass es mir überhaupt entfallen konnte. Auch wenn es sich später wieder einstellen mag, bleibt die Angst, dass ich sie reihum verlieren werde, die Wörter, und mich nach jedem von ihnen auf die Suche machen muss – wie ein… Read more →

Ich kann jederzeit den Schmerz im Oberarm, der mich seit einem Jahr periodisch heimsucht, ad hoc generieren. Das Gehirn kennt Stelle, Art und Intensität und macht daraus ein Feuerwerk, ohne dass ich mich zu bewegen brauche.   „Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.“ Sie sind aber gestorben. Im Moment, da ihre Geschichte fertig erzählt war, starben… Read more →

Ein Buch zur Zukunft

Das einzige Buch zur Zukunft, das ich besitze und an das ich glaube, gleichermassen Utopie und Dystopie, gleichermassen angsteinflössend und Zuversicht spendend, ist meine Agenda. Jedes Mal, wenn ich sie zur Hand nehme, schaue ich dem Schicksal ins Maul, sehe ich kommende Ereignisse voraus, ja lege sie selber fest mitsamt Zeitpunkt und Ort des Geschehens. Ich bin jederzeit frei, dem… Read more →

Der alte Bauer ist mit seinem Sohn den Weg herab gekommen, um den Bach anzuschauen, den er zum ersten Mal in seinem langen Leben diese Nacht gehört habe. Das Bächlein ist unter den Bäumen normalerweise kaum zu sehen. Auch von den andern Rinnsalen her, die den Nordhang des Mont Terri durchfurchen, ist ein vielstimmiges Rauschen zu hören. Zum ersten Mal… Read more →

Von der Lektüre aufblickend ein vorbeifliegender Vogel, der rasch aus dem Fensterfeld verschwindet. Als die Augen, vom Licht der hellen Wolken geblendet, wieder zu dem offenen Buch zurückkehren, steht ein Falke als dunkler Umriss auf der Seite. Darunter ein Zitat von Gerhard Meier, der die Wolken über dem Jura beschreibt als „ein abrollendes abstraktes Gemälde von riesigem Längenmass“. Dann ist… Read more →