Walsers Passagier

Er sitzt in meiner Nähe, in einer Distanz, in der ich ihn rieche, er ist nicht einer, der sich oft wäscht. Sein Blick ist glasig, er geht durch alles hindurch und bleibt nirgendwo haften. Mit seinem Schnurrbart und seinem farblosen Nichts an Haaren auf dem Kopf könnte er eine Figur von Robert Walser sein. In einer Mischung aus Scheu und… Read more →

Ungehaltenheit gegenüber dem Computer, wenn er für mich denken will. Wenn er beispielsweise eine Mail „an mich“ öffnet. Wer ist „ich“? Meint er sich selber? Oder wenn er als Datum „heute“ angibt. Wann ist „heute? Oder wenn er Worte korrigiert, die er nicht kennt. Er verhält sich wie ein unerzogenes Kind, das man ununterbrochen zurechtweisen muss. Read more →

Die Störche, eine Gruppe von zwei Dutzend Vögeln, kreisen immerzu im Gleitflug und verlagern ihren Schwarm unmerklich von einem Ende des Dorfs zum andern wie eine Herde, die langsam den Himmel abgrast. Sie rupfen blaues Gras, suchen nach blauen Fröschen.   Die runden Früchte auf dem grünen Tuch des Rasens: Apfelbaumbillard, Rot gegen Grün. Die ausgestreckten Arme der Kinder als… Read more →

In den Zeiten des Bienensterbens und der Varroamilbe begrüssen die Augen im Garten jede einzelne Biene mit ausgewählter Zuvorkommenheit wie Prousts Madame de Villeparisis in ihrem Salon diese Herzogin und jene Durchlaucht.   Gegen die Schäfchenwolken vor dem tiefblauen Himmel, gegen diese Kinderbuchverlorenheit den gelben Kran zu Hilfe holen, der in die Idylle hinein seinen Warnfinger streckt.   „Regen macht… Read more →

Sturm und Hagel sind angesagt, man kann nichts dagegen tun ausser noch rasch die Tomaten zu pflücken, um sie vor Schäden zu bewahren. Klimaveränderungen sind angesagt, weltweit werden die Tomaten gepflückt. Alle tun noch rasch etwas Kleines, da es zu spät ist, die Katastrophe noch zu stoppen.   Mit zwei Lauten durchs Leben kommen wie die Türkentaube, und alle Leute… Read more →

26 Störche zählte ich gestern Abend im Dorf, auf jedem zweiten Giebel um die Dorfmitte herum sassen einer oder mehrere, während der Dorfrand leer blieb. Sie hoben sich erst weiss vom blauen Himmel ab, dunkelten dann ein, bis sie als Silhouetten im letzten Abendlicht standen, unbeweglich, ab und zu einen Flügel spreizend oder mit dem Schnabel in den Federn nestelnd.… Read more →

Finden ohne gesucht zu haben. Viel schwieriger: Suchen ohne je gefunden zu haben (Unzufriedenheit als Motor der Kunst?).   „Ein Gegenstand auf der Fahrbahn“ – eine der wenigen Gelegenheiten für das Wort Gegenstand, wo es seine Farblosigkeit und Zurückhaltung aufgeben und seine Wichtigkeit ausspielen kann.   Untransportable Güter: der Enthusiasmus; der Wind; die Stille. Festzuhalten und weiterzureichen sind sie nur… Read more →

Heute hat die Menschheit (der konsumierende Teil) den Vorrat für das Jahr 2019 aufgezehrt. Bedenkenswerte Worte im Radio. Anschliessend die Erfolgsmeldungen der Börsen, vorgetragen von einer siegesgewissen Moderatorenstimme. Die Schizophrenie ist so alltäglich geworden, dass sie nicht mehr auffällt, am wenigsten den JournalistInnen.   Der Kontakt zwischen dem Buch und mir brach nach wenigen Seiten ab. Ich glaube, es ist… Read more →

Der feine Regen fühlt sich auf der Haut an wie Nadelstiche. So wie in Kafkas Strafkolonie dem Verurteilten ein Urteilsspruch in die Haut gestochen wird, ritzt mir der Regen eine Botschaft auf den Leib. Sie folgt keinem erkennbaren Muster. Bleib offen, lese ich.   Glück haben: man wird beschenkt, man kommt mit einem blauen Auge davon. Glück sein: man befindet… Read more →

Der Freie hat die Wahl, und frei ist er, wenn er sie akzeptiert.   Das Gewitter diese Nacht verschlafen. Kommt mir vor wie einen wichtigen Film verpasst zu haben. Read more →