Ich erwachte aus einem Traum, von dem ich am Morgen nichts mehr wusste. Ich wusste von ihm am Morgen so sehr nichts mehr, dass ich daran zweifelte, überhaupt geträumt zu haben. Inzwischen bin ich fast sicher, dass mein Schlaf traumlos war, und ich habe grosse Lust, die vorstehenden Erwägungen als null und nichtig zu erklären.   Eine Essenz mischen, in… Read more →

Im Café

Vier, fünf Leute in einem Café, ein Moment regloser Stille eingelegt in das Bernsteinlicht des späten Nachmittags. Über die Auslage mit Confiserie beugt sich eine beleibte Frau mit oranger Tasche, den Mund halb offen, unschlüssig vor Sattheit. Ein Grauhaariger liest neben dem Eingang den regionalen Anzeiger. In der Fensterecke schweigen sich Mutter und Tochter über einem Stück Kuchen gegenseitig an.… Read more →

Die beiden Männer, die vor dem Hoteleingang stehen, blicken beide die gegenüberliegende Fassade hoch, als gebe es dort etwas zu entdecken. Vielleicht sind es Architekten oder Makler, die das Haus kaufen möchten. Jetzt wendet sich der eine dem andern zu, als möchte er ihm etwas sagen, aber er setzt sich in Bewegung und geht grusslos an ihm vorüber. Sie gehören… Read more →

Mückentanz im Baumgarten. Die Mücken stehen, fliegen, flitzen vereinzelt, in mehr oder weniger gleichem Abstand zueinander. Der Raum zwischen den Bäumen wird durch ihre Bewegungen so real wie die Bäume selbst. Mein Blick durchquert ein sichtbar gewordenes Stück Raum, darin die Bäume, die Leere, die Mücken und ich. Man hört über längere Zeit kein Geräusch ausser einem rufenden Sperling. Seine… Read more →

Im Park des Basler Universitätsspitals kam mir mein orthopädisches Spiegelbild entgegen: ein Mann an zwei Krücken, am Fuss ein Ungetüm von Schuh, hinkend, in verlangsamtem Gang. Er beachtete meinen kumpelhaften Blick nicht, blickte starr und finster vor sich hin, wollte von sich kein Spiegelbild sehen. Read more →

Der wimmernde und nörgelnde Täufling verstummt auf einmal, als der Pfarrer ihm die Hand über den Kopf hält und ihm mit dem taufwasserbehängten Daumen dreimal das Kreuzzeichen auf die Stirn macht. In dieser Minute erhöhter Festlichkeit ist er ganz ruhig, auch das Geplapper der anderen Kinder wird leise in den Bänken. Erst nach dem Ritual, als der Pfarrer sich abwendet,… Read more →

Die Wartenden auf der Notfallstation des Basler Unispitals gehen den anderen nur ungern aus dem Weg, vor allem dann, wenn ihnen diese mit Krücken oder im Rollstuhl entgegen kommen. Sie waren eben noch unterwegs oder an einer Party und haben nicht das Gefühl, zu den Patienten zu gehören. Noch schützt sie der Glaube, nur aus Irrtum hier zu sein. Read more →

Déjeuner sur l’herbe.

Der Sperber hält die Beute, nachdem er sie geschlagen hat, eine Weile in seinen Fängen, sitzt unbeweglich und aufrecht auf ihr am Boden, als spüre er dem Puls des sterbenden Sperlings nach, als brauche er diesen Kick für seinen Appetit. Er beginnt aus dem toten Körper das Fleisch heraus zu ziehen, zu zerren, zu hacken, dass im Wortsinn die Federn… Read more →

Der Fuchs heute Nacht, im Gras mehr zu erahnen als zu sehen, wahrnehmbar nur als Bodenunruhe, als Wellung des Grundes, die gleich wieder verebbte. Teile der Nacht hindurch saß, lag, stand, ging ich in den Gewölben des Eisenwerks von Mariupol herum, der Detonation russischer Granaten ausgesetzt, mit dem trotzigen Nein zur Kapitulation in der Kehle, das mich seit den Abendnachrichten… Read more →

Gelegentlich scheint es mir, ich sei nur der Vorläufer des Besuchers auf der Welt, der ich eigentlich wäre. Einer, dessen Aufgabe darin besteht, für den andern den Weg zu erkunden. Auf der Zündholzschachtel ein Bild von Schanghais Hochhäusern, fotografiert von oben im Abendlicht. Als ich das Streichholz entzünde, ist mir auf einmal, das Licht komme nicht von der Sonne, sondern… Read more →