Die Schlangenfrau

Am letzten Verkaufstag vor Weihnachten steht nach Feierabend im hell erleuchteten Raum der Buchhandlung eine junge Frau mit dem Staubsauger in der Hand. Sie macht sauber. Der Schlauch umschlingt halb ihren Leib, sie sieht aus wie eine Schlangenbeschwörerin. Geduldig bearbeitet sie Handbreit für Handbreit den Teppich. Vor dem Laden steht ein Knirps, der sich von der Hand der Mutter losgemacht hat und die Frau auf der ausgeleuchteten Bühne des Raums fasziniert betrachtet. Hallo!, ruft er mit seiner dünnen Stimme. Die Schlangenfrau hört ihn nicht, sie dreht ihm den Rücken zu. Hallo! Er kann es nicht fassen, dass sie nicht aufsieht. Hallo! Seine Rufe werden immer ungeduldiger. Seine Mutter versucht vergeblich, ihn mit sich fortzuziehen. Erregung, Neugier und Enttäuschung halten ihn vor der Eingangstüre fest, während sich die Frau drinnen in routinierten und gelangweilten Bewegungen voran arbeitet.

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