Jazz in der Zeit des Vietnamkriegs

Ein Freund, Hobbypianist, hielt sich zur Zeit des Vietnamkriegs als Tourist in Vietnam auf. Bei seinem Aufenthalt in der Hauptstadt ging er in einen Jazzclub, wo er spontan Anschluss an eine Dixi-Band fand. Die Jazzer, mit denen er sich anfreundete, luden ihn spontan zum Mitspielen ein. Unter ihnen waren mehreren Gis auf Urlaub. Nach einer längeren Reise durch Südvietnam kam er nach Saigon zurück und ging am Abend wieder in den Club. Die Band war wieder beisammen und spielte. Jimmy fehlte. Wo ist Jimmy?, fragte er in der Pause, worauf ein betretenes Schweigen eintrat, ein abweisendes, irgendwie feindliches Schweigen, wie er fand, und da wurde ihm bewusst, dass er einen Fehler begangen hatte. Er hätte nicht fragen dürfen, er hatte einen Tabubruch begangen, denn natürlich war Jimmy nicht krank oder verhindert, sondern tot, im Krieg gefallen, und keiner der andren GIs der Band wusste, ob er selber nicht nach dem Urlaub, nach dem Trinken und Huren und Musikmachen, bei seiner Rückkehr an die Front das gleiche Schicksal wie Jimmy erleiden würde.

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