Leonhard Euler veröffentlichte 1748 seine berühmte Formel. Entwickelt hatte er diese bei der Berechnung von Zinsen. Er überlegte, dass ein Zins, der halbjährlich ausbezahlt und zum Kapital geschlagen wird, in der Wiederverzinsung mehr abwirft als ein jährlich ausbezahlter. Indem er die Zinsperiode maximal verkürzte, ohne dass diese Null wird, kam er auf seine Formel.
Die Eulersche Formel anwenden auf die Wahrheit. Bleibt diese über längere Zeit stehen, verliert sie an Gültigkeit. Je öfter du sie prüfst und überholst, desto mehr erhöht sie ihren Wert. Halte auch die ewigen Wahrheiten à jour, um sie nicht dem Währungszerfall auszuliefern.

Vgl. dazu Ilse Aichinger in ihren „Aufzeichnungen“: „Ich kann nur die Wahrheit für jetzt finden und keine andere. Was mir daran unvollständig scheint, macht ihre Kontur aus. Wenn ich sie jede Sekunde überhole, lasse ich sie ganz für sich. Wenn ich versuche, die Wahrheit von übermorgen zu finden, verliere ich die von heute und verliere sie überhaupt.“

Gazas Infrastruktur, so der Unfallchirurg im Dok-Film American Doctor, sei katastrophal zusammengebrochen: «Alle leben in Zelten, Nagetiere attackieren Kinder und nagen nachts buchstäblich an den Gesichtern von Säuglingen.» Und: «Wenn es regnet, ist alles überflutet. Das ist ein Versuchslabor für Tod und Krankheit und das an einem Ort, wo zu 70 Prozent Flüchtlinge und Kinder leben.»

Nie bin ich näher bei mir, als wenn ich bei einem Ding, einem Wesen, einem Menschen bin. In der Hinwendung befinde ich mich im schmelzenden Kern meines Ichs.

„Nur wenn wir wissen, dass alles offenbleibt, kann ein Dialog zustandekommen.“ (Ilse Aichinger)

Die Leichtigkeit, mit der Goethe Raum in Zeit übergehen lässt, indem er (seiner Epoche entsprechend) die „Stunde“ als Längenmass einsetzt: „Die Breite des Tals ist verschieden, oben beim Lac des Rousses etwa eine halbe Stunde, alsdann verengert sich’s und läuft wieder unten auseinander, wo etwa die grösste Breite anderthalb Stunden wird.“ Aus solchen Worten meint man schon die Einsteinsche Raumzeit-Vorstellung herauszuhören. (Briefe aus der Schweiz 1979)

Dass sich ein Moment so verdichtet, dass er zum Ort wird. Gefühle, Empfindungen, Gedanken schiessen in ihm zusammen. Das Leben besteht im Rückblick aus solchen Erinnerungsorten, die sich reihen wie Wirbel der Wirbelsäule, das sonstig Gelebte zwischen sich zusammenpressend wie Bandscheiben.