Die schreibende Hand macht bei ihrem Auf und Ab dieselbe Bewegung wie der Suchradar, ein sinnliches, in der Zeit und im Raum langsam voranschreitendes Tasten nach Sinn. Lerne neue Worte: die Brandlast. Etwa bei einem öffentlichen Gebäude die (zu grosse) Menge an Papier und Akten. Die Brandlast einer Bibliothek. Die Bibliothek als Brandlast. Unterhaltung mit dem Pfarrer einer Kirchgemeinde. Er… Read more →
Kategorie: Sonstiges
Jenes Bühnenstück, das ich nur halb sah, je nach der Haltung des Vordermanns einmal links, einmal rechts neben seinem breiten Rücken vorbeiblickend, dann wieder genervt auf seinen Nacken starrend, im ängstlichen Bestreben, etwas vom Hauptgeschehen zu erhaschen. Wann war das schon wieder? – Suche nicht zu weit. Es ist das Stück, das jeden Tag um dich und mit dir gespielt… Read more →
Beim Verreisen stets die Möglichkeit vor Augen, dass später jemand anders die Tür zur Wohnung öffnen könnte, ich im Spital oder tot. Von daher der Drang, Übersicht in die Unordnung zu bringen. Beim Wiederkommen bin ich selber der Jemand-Anders, trete ein als Freund, der da weitermacht, wo der Weggegangene aufgehört hat. Was die Baumschatten so angenehm macht, sind die Lichtwesen,… Read more →
Leonhard Euler veröffentlichte 1748 seine berühmte Formel. Entwickelt hatte er diese bei der Berechnung von Zinsen. Er überlegte, dass ein Zins, der halbjährlich ausbezahlt und zum Kapital geschlagen wird, in der Wiederverzinsung mehr abwirft als ein jährlich ausbezahlter. Indem er die Zinsperiode maximal verkürzte, ohne dass diese Null wird, kam er auf seine Formel.Die Eulersche Formel anwenden auf die Wahrheit.… Read more →
Vom Wind befühlt, betastet, befingert. Der Wind als Liebhaber, als Arzt, als Heiler. Der Wind , wie er fächert, Kühlung bringt, Düfte herträgt. Lobe ihn, den Wind, wenn du ihn schon einmal zum Freund hast. „Ich tue, was ich tue, zum letzten Mal.“ Sobald ich das denke, wird meine Arbeit interessant und jede Bewegung kostbar. – Ist das dein Trick,… Read more →
Wie mich der Dreijährige in einem hallenden leeren Raum voller Begeisterung anschreit. Wie ich zurückschreie. Wie wir uns einen sich steigernden Echostreit liefern. Die Haut, aus der ich gern fahren würde, ist schon lange nicht mehr die meine. Wäre uns jedes Wort, das wir im Mund formen, mit seiner Entstehung, seiner Lebens- und Leidensgeschichte präsent, wir würden uns dauernd beim… Read more →
Schon morgens um zehn Uhr ein sciroccoartig heisser Wind. Die jungen Schwalben unterm Nachbardach haben die Hitze nicht überlebt, sie liegen tot in ihren Nestern. Das Grün der Wälder zusehends durchsetzt mit Herbstfarben. Die Hitze ist stärker als die Disziplin der Jahreszeiten, fast ist man versucht zu sagen: stärker als die Natur. Von Zeit zu Zeit ein verhaltenes Aufglucksen der… Read more →
Das Rund einer Nussschalenhälfte im dürren Rasen wie ein nach Wasser verlangender Mund. (Pass auf, dass dir jetzt nicht alles zur Klimametapher gerät.) Notizen, Tagebücher, kleine Beobachtungen sind eine niedrige Schwelle zur Wirklichkeit, sie lassen zwischen dieser und dem Text hin und her wechseln, ohne dass die Grenze streng gezogen erscheint. „Aufschreiben auf kleinstem Raum, entsprechend dem Bewegen von Billardkugeln… Read more →
Immer mehr Bäume lassen einzelne Äste und Zweige verdorren und stossen sie ab, um das Ganze zu retten: Opferzweige. Der Grünspecht durchquert als hüpfende Grasscholle die Wiese. Die Nachbarsfamilie, mitsamt ihren sechs Fussbällen und den Kindern in die Ferien verreist, hat ihren Lärm bis auf den kleinsten Rest eingesammelt und mitgenommen. „(…) ich hätte die düstere Maske des Verlangens, das… Read more →
Seltenes Glück: ich mache mich nicht an die Arbeit, sondern die Arbeit macht sich an mich heran und verführt mich. Der Verkäufer im Laden sagt mir während des Einkaufs dreimal Bonjour. Mussezeit Juli: Lesen und Schreiben beruhigt die nervöse Gereiztheit, bremst aber auch den Austausch mit der Welt. Kaum ist die stete Suche nach dem inneren Gleichgewicht an ihr Ziel… Read more →