Seit mich die Nachricht erreichte, ein Freund liege im Sterben, höre ich seine Stimme: grüssend, fragend, erzählend, sich ereifernd, rufend. Er verabschiedet sich redend. S. über seinen sterbenden Freund: „Er wird schwächer von Tag zu Tag, aber er ist nach wie vor heiter und entspannt. Ich habe ihm gestern gesagt, es gehe eigentlich nicht bergab mit ihm, sondern bergauf. Er… Read more →
Kategorie: Sonstiges
Bei schwachem Wind wiegt sich das kleine Windrad aus Plastik leise hin und her, ohne recht in Fahrt zu kommen. Es wäre ein guter Augenblick, ihm als Gartenorakel eine Frage zu stellen. Es würde lange abwägen, das Ja sogleich verwerfen und zum Nein wechseln, es zögerte, kehrte zum Ja zurück, bliebe unentschieden und entliesse den Fragenden ohne Antwort, aber mit… Read more →
Der Zahnchirurg zu Beginn des Eingriffs : Entspannen Sie den Kiefer, und geben Sie mir nun ihre Backe. Verschreiber: der Eigriff –. Wie die Nachbarn, mit denen man nichts gemeinsam hat, die einem fremd bleiben, über die man kaum etwas weiss, einem ans Herz wachsen können, zu Brüder und Schwestern werden, geboren aus der Fruchtblase der Zeit. Er steht da,… Read more →
Mir kann ich nichts vormachen. Wie schade. „Tagträumen“ im Perfekt: „Ich habe Tag geträumt“ – und dass stimmt exakt für den leichten Schlaf heute Morgen, in den sich der beginnende Tag schon erwartungsvoll hinein blendete. Der Verliebte: Ich möchte mich für dich gewinnen. Read more →
Zwei Hunde bellen sich den ganzen Morgen unermüdlich zu. Einer davon ist das Echo. Es antwortet prompt und muss selber nie lange auf Antwort warten. Die beiden unterhalten sich glänzend. Das Buch, das ich im Stuhl lese, schwankt leise hin und her im Wind wie ein Zweig. Es geht aber kein Wind. Es geht die Zeit, es geht das Leben,… Read more →
Im Zug von Strasbourg nach Basel hält mir meine junge Sitznachbarin ihr Handy vor das Gesicht, in dessen Übersetzungsprogramm sie das Wort Japan geschrieben hat. Aus Japan kommt sie also. Sie tippt, hält mir das Handy noch einmal hin. Auf dem Display steht Trip. Ich nicke. Sie tippt, zeigt mir das Wort Grindelwald. Wieder nicke ich, anerkennend, und sie beendet… Read more →
Ein Diener seiner selbst sein. Oder besser ein Herrscher seiner selbst? Der Herrscher würde automatisch zum Diener. Also Diener bleiben. Der Kohlweissling, das quecksilbrigste Weiss allen Weisses. Lass ab vom Superlativ, vergiss den Komparativ, komm herunter zum Positiv. Auf ihn ist Verlass. Bekäme ich eine Liebesnacht geschenkt und hätte zwischen zwei Kurtisanen zu wählen, ich würde beiden ein gut verpacktes… Read more →
Ich bin noch immer ortsfremd. „Dass mir auf Erden nicht zu helfen war“, kann ich nicht behaupten, mir wurde stets rechtzeitig geholfen, oft auch aufgeholfen. Ich lebte in einer stabilen Heimat. Doch heimisch wurde ich nicht. Das rätselhafte Wegbleiben einer Socke nach dem Waschen. Als ob sie nur auf eine Gelegenheit gewartet hätte, um auszubüchsen. Hatte sie es nicht gut… Read more →
Der Alte im Dorf, der drei Pferde, einen alten Hasen und gegen zwei Dutzend Katzen hat, verlässt sein Haus nie, führt kein eigenes Leben, geht in der Pflege seiner Tiere auf wie ein Stück Zucker in einem Glas Wasser aufgeht. Die Äpfel blühen, sie arbeiten schon jetzt an ihrem Kerngeschäft. Verglichen mit den Nächten, in denen ich mit eingezogenen Kopf… Read more →
Eine noble Geste: jemandem Zeit lassen. Noch edler: ihm etwas von der eigenen Zeit geben. Die Liebesgeste: seine Zeit mit jemandem teilen. Der Tag und ich, das ungleiche Paar. Holt er mich hell und munter aus dem Bett, fühle ich mich alt. Bricht abends sein Licht, werde ich so richtig jung. Unterwegs begegnen wir uns für einige Stunden auf Augenhöhe.… Read more →