Der Wind kennt forte, andante, allegro und diminuendo, er hat Töne, Geräusche, Melodien, Rhythmus aber hat er keinen. Du brauchst nicht auf seinen Takt zu horchen, brauchst keine Wiederholungen und Motive zu erkennen, kannst dich ihm unhinterfragend hingeben. Read more →

Eine unangenehme Erscheinung so lange betrachten, bis sie ihre Schönheit offenbart.   „immer häufiger die Idee, dass die Nachrichtenwelt (…) einem das Bewusstsein vom eigenen Leben nimmt“  (Handke, Das Gewicht der Welt)   Wechselndes Licht am Sturmhimmel, Unruhe in den Büschen, peitschender Regen. Das Erdreich lässt geschehen, nimmt auf, es atmet weich.   Read more →

Nein, Datteln hätten sie keine, sagt der junge Iraner mit den grossen Augen im Lebensmitteldiscount. Aber er könne mir iranische Datteln besorgen, bio, sagt er, über das Netzwerk seiner Freunde. Ich gebe ihm meine Adresse, er will die Datteln organisieren und mir schreiben, wo ich sie abholen könne. Nach diesem halblaut geführten Kleinhandelsgespräch, das mit einem Handschlag abgeschlossen wird, gehe… Read more →

Sie hat sich ins Feuer geredet. Wie die Verwandtschaft ihres Mannes ihr übel mitspiele. Wie man ihr die Pflege der Schwiegermutter aufgebürdet habe, ohne sie zu fragen. Wie sie nun die Verantwortung für eine Frau trage, die jederzeit fallen könne. Wie die Verwandtschaft fremdenfeindlich sei. Wie sie ihr Anweisungen gebe, aber nie erscheine, um die alte Frau zu besuchen. Ein… Read more →

Wie oft bist du schon in ein Café gegangen, allein, ohne auf den Zug oder einen Freund zu warten, ohne durchgefroren, durstig oder ermattet zu sein, ohne die Zeitung lesen zu wollen, rein als Selbstzweck, so wie man spazieren geht?   In der Figur aus dem Roman, dem Film aus der Soap sein eigentliches Leben leben, für das man vorgesehen… Read more →

Es gibt zwei Arten Nabelschau: mit den Augen der Welt auf seinen Nabel schauen (im Blick sind Ehrgeiz, Karriere, Wohlverhalten, Position, Rolle). Oder mit dem Insiderwissen über sich selbst auf die Welt schauen, um sie zu verstehen. Seltsamerweise meinen jene, die abschätzig von „Nabelschau“ reden, stets diese zweite Art, während sie die erste ausführlich leben.   Das plötzliche Absacken der… Read more →

Die Ärztin tritt ein in den Untersuchungsraum, geht grusslos an mir vorbei, als wäre ich nicht da, macht den Computer an und starrt, die Hände auf den Tisch gestemmt, auf den Bildschirm, dreht sich um, lächelt, grüsst mich mit dem Namen, den sie abgelesen hat, im Bild nun darüber, wer ich bin und was mir fehlt. Erst jetzt, als Name… Read more →

Die Nachbarn unter mir wecken mich am Morgen mit ihren Gesprächen. Das Privileg, von menschlichen Stimmen in den Tag begleitet zu werden, die nichts von mir wollen.   Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich je umarmt haben. Sie berühren sich einzig mit Worten, und desto heftiger, je wütender sie sind.   Sobald ich zu denken beginne, verziehen sich… Read more →

Der verschneite kleine Baum: ein Tanz aus wilden, zugleich sanften und beherrschten Strichen.   Die Verleisung der Natur durch anhaltenden Schneefall.   Eine Schneedämmernacht. Das Dunkel nur im müden Hirn.   Read more →

In der Schweiz wird monatelang in der Öffentlichkeit erbittert über die Frage debattiert, ob Minarette verboten werden sollen, um die christliche Seele zu schützen. In den USA beschliesst ein Einzelner, aus dem 1987 geschlossenen INF-Vertrag zur Abschaffung von atomwaffenfähigen Mittelstreckenraketen mit Russland auszutreten, der seinerzeit in jahrelangen Verhandlungen heranreifte und den Weltfrieden entscheidend weitergebracht hat. Zwei irre Seiten der Demokratie. Read more →