Die Katze geht über die Strasse, legt sich in der Mitte auf den Boden, dreht sich auf die Seite, dreht sich auf den Rücken, dreht sich zurück, alle Viere in die Luft gestreckt, setzt sich auf, leckt sich den Bauch, kratzt sich am Ohr, steht auf und geht weiter auf ihrem Weg über die Strasse. So mögen wir sie am… Read more →

Georges Perros vergleicht das Kunstwerk mit einem Mordprozess, in dem die Mörderin schweigt. Diese weiss die Wahrheit, die andere zu eruieren suchen. „Jedes Kunstwerk ist derart um ein Schweigen herum geschaffen, um ein wissendes Schweigen, das aber sein Geheimnis bewahrt.“   Der Basilikum vor dem Fenster ist auf dem Weg vom Grün des Sommers zum Gelb des Welkens etwa in… Read more →

Jetzt beginnt wieder die Zeit, wo die Sonnenstrahlen in blitzenden Strichen über die Spinnfäden eilen und mitten im Lauf ins Nichts zerspringen.   Alle Menschen leben im Dazwischen und füllen es aus.   Read more →

„El Condor Pasa“ klingt an diesem Herbstmorgen aus dem halboffenen Fenster des Nachbarhauses. Das setzt einen übers Meer in eine andere Jahreszeit, ein anderes Jahrzehnt, einen anderen Körper, einen anderen Geist – in eine Euphorie, die nur eine sein kann, weil man weiss, es ist bloss das halboffene Fenster des Nachbarhauses, das einem kurz Einlass gibt, man muss nicht darin… Read more →

Ich rede im Traum momentan nicht, handle nicht, sehe bloss einem verworrenen Geschehen zu; selten haben meine Träume so unverblümt mit der äusseren Wirklichkeit zu tun gehabt.   So mickrig ein Baum auch sein mag, wenn es regnet, rauschen seine Blätter wie ein halber Wald, und bei geschlossenen Augen wird dieser unschwer zum ganzen. Read more →

Das Brachland: die Raum gewordene Musse. Man geht in ihm wie in einem Würfel aus den drei Dimensionen Länge, Weite und Zeit.   „Hallo, wie geht’s?“ Der junge Kaminfeger, den ich noch nie gesehen habe, steht mit lachendem Gesicht unter der Tür und kündet sein Kommen an, als ein wahrhaftiger Gruss- und Glücksbringer. Read more →

„Gereizt durch diese Unterbrechung nahm der Herzog seine Frau ein paar Sekunden unter das Feuer eines drohenden Schweigens.“ (Proust, Die Welt der Guermantes)   Unmerklich: eine mitten im Sommer, selbst an heissen, hellen Tagen, in das Licht sich einschleichende herbstliche Gebrochenheit. Und wie man, ohne krank zu sein, im Alter zunehmend die Kräfte verliert, deren Herr man noch immer zu… Read more →

Man muss jemanden nicht kennen um ihn/sie zu lieben; es ist sogar besser, sich nicht allzu sehr zu kennen, ja die Voraussetzung zum Lieben überhaupt. Ist Liebe nicht der Wunsch, die Versuchung, das Begehren, jemanden kennenzulernen, ohne ihn bereits zu begreifen, ihn ganz und gar zu verstehen?   Die Vogellaute sind jetzt nur noch einzelne Tupfer, da einer, dort einer.… Read more →

Wie an Hitzetagen gewisse Pflanzen die Blätter wie verwelkt hängen lassen, um sie dann kräftig ausgespannt dem Nachttau entgegenzustrecken: Sie kennen die Weisheit des Nachgebens, sie sichern ihr Überleben durch Loslassen.   Die Starenschwärme kündigen sich mit leisem Sirren an. Das Sirren wird lauter, wird zu einem Rauschen und Donnern. Der Himmel hat sich verdüstert, die apokalyptischen Reiter ziehen über… Read more →

Wenn der Syrer Fawaz nicht mehr aufhört, in Gesellschaft von seiner Jugend in Damaskus zu erzählen, kommt es mir vor, als wolle einer seine Heimat, die ihm nicht jeden Tag vor der Tür steht, einen Abend lang redend ins Haus holen.   Er spricht nie von seiner Mutter, ohne den Blick zu erheben und ihr ein langes Leben im Himmel… Read more →