In der Nacht, zwischen zwei Träumen, das Gedicht verworfen, das ich gestern geschrieben hatte. Danach ruhig durchgeschlafen.   An inspirationslosen Tagen umklammere ich meine Pfeife wie den Finger des Allwissenden.   „Wer [das Böse] überwindet, dem will ich zu essen geben vom Holz des Lebens, das im Paradies Gottes ist.“ (Off. 2,7). Seltsame Metapher aus dem Mund des Allmächtigen, auch… Read more →

Die Kontrolle

Die Frau, die mir gestern in der S-Bahn gegenüber sass, suchte bei der Kontrolle der Fahrkarten vergeblich nach ihrem Abonnement. Ein blutjunger Schaffner mit kurzgeschorenem Haar stand vor der Mittvierzigerin, fragte sie nach der Art ihres Abos, wo sie es löse etc. und verlangte dann ihren Ausweis zu sehen. Sie schwitzte. Wiederum durchsuchte sie vergeblich ihre Tasche. „Ja sind Sie… Read more →

Die Multicolour-Phase des Herbstwalds ist vorbei, jetzt kommt die Silberphase der besonnten Äste und Stämme.   Er hat vor einer Weile aufgehört zu jammern. Daran merke ich, dass es ihm schlecht geht.   Noch bei meinen schönsten Sätzen muss ich mir sagen, dass alle ihre Bestandteile geborgt, übernommen, zusammengelesen, geklaut sind und ich nichts anderes bin als ein mehr oder… Read more →

Ein beschlagener Tag, einer, der sich nicht richtig zeigt, dem man mit dem Messer die Rüstung aufbrechen möchte, um sich zu vergewissern, dass es ihn gibt. Read more →

Im Dunkel der Nacht die vom Mondlicht erhellte Wand des Hinterhauses, davor die blattlosen Zweige eines im Topf gehaltenen kleinen Baumes, die aussehen wie eine kostbare Zeichnung. Mit diesem Bild vor Augen ist gut wieder einschlafen.   Die Sehnsucht, kreativ zu sein, ist die Sehnsucht nach dem Zentrum des Schaffens. Kreativ sein wiederum ist verbunden mit der Sehnsucht, vom Zentrum… Read more →

Gestern beim Anblick der Plejaden ging mir durch den Kopf, dass wer seinen Platz weder in sich selber noch in der Gesellschaft noch innerhalb seiner Zeit findet, ihn doch von Anbeginn an in der Unendlichkeit hat, und ich dachte dabei nicht an Künstler, sondern an jeden beliebigen unter den Menschen.   Die Spinne, die an ihrem leichten Faden vom Dach… Read more →

Erst nach dem Tod eines Menschen, mit dem man nicht besonders viel verkehrte, merkt man, wo man ihm dennoch nahe war, und er beginnt einem zu fehlen wie ein enger Freund.   Die scheue Katze, die mir nie näher kommt als bis auf einige Schritte, liess sich im Traum ruhig streicheln und strich mir um die Beine, ich wurde sie… Read more →

Der tote Igel auf dem Strassenpflaster, im Tod seitlich weggekippt, die Schnauze im Körper verborgen, sieht aus wie ein runder Stein, dem seitlich ein Bein gewachsen ist.   Die schlanken Stämmchen des Bambus im Nachbarsgarten biegen sich im Wind bis zur Horizontalen, während die Ästchen behende auf und ab wippen, die Blätter aber ununterbrochen zittern. Auf den drei Ebenen Stamm-Ast-Blatt… Read more →

Seit ich weiss, dass ein Teil des Grundstücks zusammen mit dem umliegenden Land überbaut werden soll, sind die Tauperlen auf dem Gras, die wie Spinnfäden die Luft durchziehenden Rufe der Vögel, die wie im Traum herunterfallenden Apfel keine Idylle mehr, schon gar nicht eine falsche, sondern ein Hort des Widerstands. Sie behaupten ihre Poesie als Gegenbild zu der Geldgier des… Read more →

Vom Märchenruf des Schwarzspechts fühle ich mich jedes Mal direkt angesprochen. Ich fühle, wie mir ein Schnabel wächst, und suche die Baumrinde nach Käfern ab.   Der Wind, der auf der Rückseite des Hauses zugange ist, schickt eine seiner kleinen Ausläufer auf der geschützten Seite zu mir durchs Fenster, guten Tag sagen.   Dem Basilikum durchs Haar gefahren und flüchtig… Read more →