Das anhaltende Dunkel des Schneefalls und die Helle des Neuschnees halten den Tag in ihrem Gleichgewicht.   Auf dem Nachhauseweg schaut der Junge seinen beiden Schulkameradinnen zu, die sich im Schnee vergnügen, und macht mit Armen und Beinen die Bewegungen mit, die sie vollführen. Er schaut mit dem ganzen Körper. Sein Körper ein einziges Blinzeln, Wimpernklimpern, Augenrollen.   Die schwarze… Read more →

Auf einmal fällt mir auf, dass der rundliche Schatten auf dem Platz und die rundliche Wolke am Himmel miteinander korrespondieren. Sie bilden für einige Augenblicke eine Kunstinstallation. Den Platz überquerend, trete ich in das Kunstwerk ein und bilde einen Teil davon, bevor ich es hinter mir lasse und es definitiv vergessen hätte, wäre mir nicht noch rechtzeitig eingefallen, es schreibend… Read more →

Bisher entging mir, dass der Hydrant auf seiner weissen Brust ein blaues, rautenförmiges Etikett trägt, ein Krawättchen, das ihn jünger macht, jungenhaft, übermütig.   Die schwarzweisse Katze hält vor dem Forsythienstrauch an und holt sich an einer kahlen Ranke mit vorgestrecktem Kopf eine magere Streicheleinheit.   Read more →

Das Smartphone verband mich gerade kurz mit der Welt. Jetzt bin ich wieder unter mir.   Es war das Smartphone, das gestern gegen hundert (nach ukrainischen Angaben vierhundert) russische Soldaten an den Feind verriet. Es verband sie direkt mit dem Tod.   Ausgelacht werden, das war als Kind doch auch eine Art, mit dabei und akzeptiert zu sein.   Read more →

Die Tatsache, dass ein Kunsthaus in seinem Kanton erdbebengerecht nachgebessert werden muss, hat einen Politiker in einem Interview von Erdbebengerechtigkeit sprechen lassen. Es scheint, in einer egalitären Gesellschaft haben auch Naturgewalten Teil der inklusiven Community zu sein.   Read more →

Je weiter ihre Zerstörung durch Russland fortschreitet, desto näher rückt die Ukraine. Letzthin fröstelte ich die halbe Nacht in Gedanken an die Haushalte ohne elektrischen Strom und kam mir dabei lächerlich vor, aber der Körper beharrte auf seiner solidarischen Schwäche.   Er ist nicht eindeutig genug, nicht entschieden, nicht dezidiert genug, das macht ihn vielen Menschen verdächtig. Bringt ihn andererseits… Read more →

Weder Regen noch Nebel draussen, weder Tropfen noch Nieseln, vielmehr ein unbestimmtes Fieserln, das weder richtig fällt noch in der Luft hängen bleibt. Das Wetter hat sich in einer Sprachlücke eingenistet, die von den Wörtern nicht erreicht werden kann.   Der Rücken schmerzt auf der Höhe der Hüfte. An so zentraler Stelle beeinträchtigt zu sein, lähmt den ganzen Organismus. Aber… Read more →

Wie tue ich etwas, wenn ich es nicht gedankenlos tun will? Gedankenvoll? Gerade nicht, will ich doch möglichst an nichts anderes denken. Vielleicht konzentriert. Präsent. Bewusst. Ganz bei der Sache. Fokussiert. Also im besten Sinn gedankenlos.   Tage zum Vergessen. Wochen zum Darüber-Schweigen. Monate zum Wegwerfen. Wer begnadigt dieses Jahr?   Die Lorbeer- und die Thujahecke wachsen dort, wo sie… Read more →

Die Dämmerung verlängert sich in einen Gewittermorgen, und als es Tag wird, ist es auch schon Abend.   Unter tropfenden Bäumen im Herbstwald vor einer Handvoll Pilze zu stehen, ist ein Moment voll ruhiger Magie, eine Bündelung von Verlangen und Zufall, von Respektlosigkeit und Ehrfurcht. Pilze suchen hat etwas Traumhaftes, wobei die Rückstände des Traums nicht im Kopf, sondern im… Read more →

Aus einem weissen, unförmigen Dreieck, das wie eine Boie auf dem Wasser treibt, erhebt sich ein Hals und ein Kopf, das Dreieck schwankt und fächert sich auf zur Pracht eines Schwans.   „Wie dahin gelangen, Alltägliches zu schreiben, so unauffällig, dass es wie gereiht aussieht und doch als ein Ganzes leuchtet?“ (Handke, Die Geschichte des Bleistifts) Read more →