Gespräch

Der Nachbar versucht sich dem Gespräch, in das ihn ein vorübergehender Bekannter verwickelt, zu entziehen. Sein Gesicht bleibt freundlich, seine Antworten werden kürzer. Doch je kürzer sie werden, desto mehr spricht der andere, so dass der Nachbar Zuflucht nimmt zu Floskeln, die das Ende des Gesprächs anpeilen, eh bien donc, alors usw., aber sie prallen an der Redseligkeit des Gesprächspartners… Read more →

Beim Stehen des Zuges in einem Bahnhof schreckte ich aus meiner Lektüre auf wie aus einem tiefen Traum. Statt der Schreckfrage des Morgens, „Gewiss komme ich zu spät?“, durchzuckte mich jetzt die Schreckfrage der Reise: „Gewiss hätte ich längst aussteigen müssen?“. In fieberhafter Panik suchte ich mich zu erinnern, wohin ich unterwegs bin. Der Zug fuhr schon an, als es… Read more →

Der bleichste, dünnste, schmalbrüstigste Tag im Jahr, der 21. Dezember, ist so unscheinbar kurz, dass man Mühe hat, in ihm den Gründertag des neuen Sonnenjahrs zu sehen. Der ausklingende alte Rhythmus und der neue Rhythmus schleppen sich beide gleich müde dahin. Nur ein gutes Ohr vermag zu hören, dass jetzt gerade etwas Unbekanntes daran geht, das Tempo wieder anzuziehen.  … Read more →

Manchmal die Vorstellung, dass ich Sprache nicht habe, sondern bin. Und dass dies der Grund ist, weshalb ich so erschrecke, wenn mir ein Wort fehlt, dass ich so alarmiert bin, wenn ich höre, was mir von den Lippen kommt. Dass mich die Verzweiflung packt, wenn ich sehe, was von mir auf dem Papier steht.   Jede Nacht Träume, die unter… Read more →

„Gehe in dich!“ Doch bleibe da nicht, komm wieder raus. Sündige weiter, aber anders.   Es gab stets einen, der ihm unterlegen war, der kleiner war als er, dem es schlechter ging. Er blieb nie der Letzte. In der Kunst des Selbstbetrugs war er sogar einer der Ersten.   Manchmal die Vorstellung, dass ich Sprache nicht habe, sondern bin. Und… Read more →

An diesem grau verhangenen, sonnenlos kalten Tag ist bereits das Niederfallen einiger Schneeflocken ein Ereignis. Obwohl, auch sie scheinen mir keine Garantie dafür zu sein, dass alles nicht nur Kulisse ist, in der ich mich als Statist mit erfinde.   Die schwarze Katze wälzt sich auf dem kleinen Teerplatz, nachdem sie den Boden ausgiebig berochen und ihre Wange mehrmals an… Read more →

Man hat auch im Alter „unbenutzte Lebensmöglichkeiten“ (Handke), man hat sie bis zum letzten Atemzug. Es gibt keinen Grund, die Suche danach vorzeitig aufzugeben. Der Wunsch nach ihnen hält uns überhaupt am Leben.   „Hauts-de-France“ bezeichnet nicht die höchsten Gipfel des Landes, sondern die nördlichste Region Frankreichs. Man steigt da nicht mit den Bergschuhen hinauf, sondern mit dem Finger, der… Read more →

In der Nacht, zwischen zwei Träumen, das Gedicht verworfen, das ich gestern geschrieben hatte. Danach ruhig durchgeschlafen.   An inspirationslosen Tagen umklammere ich meine Pfeife wie den Finger des Allwissenden.   „Wer [das Böse] überwindet, dem will ich zu essen geben vom Holz des Lebens, das im Paradies Gottes ist.“ (Off. 2,7). Vom Holz des Lebens essen – eine seltsame… Read more →

Die Kontrolle

Die Frau, die mir gestern in der S-Bahn gegenüber sass, suchte bei der Kontrolle der Fahrkarten vergeblich nach ihrem Abonnement. Ein blutjunger Schaffner mit kurzgeschorenem Haar stand vor der Mittvierzigerin, fragte sie nach der Art ihres Abos, wo sie es löse etc. und verlangte dann ihren Ausweis zu sehen. Sie schwitzte. Wiederum durchsuchte sie vergeblich ihre Tasche. „Ja sind Sie… Read more →

Die Multicolour-Phase des Herbstwalds ist vorbei, jetzt kommt die Silberphase der besonnten Äste und Stämme.   Er hat vor einer Weile aufgehört zu jammern. Daran merke ich, dass es ihm schlecht geht.   Noch bei meinen schönsten Sätzen muss ich mir sagen, dass alle ihre Bestandteile geborgt, übernommen, zusammengelesen, geklaut sind und ich nichts anderes bin als ein mehr oder… Read more →