Noch ist Sommer, und es ist schon Herbst. Man fürchtet die Glut der Sonne und sehnt sich nach ihr. Man streckt die Hand ins ruhige Licht und erschrickt über die Spannung, die in der Luft vibriert.   Die Unfähigkeit der Fliegen, die Gefahr zu erkennen. Sie setzen sich an genau den Ort, wo sie knapp der Hand entwischten. In sorgloser… Read more →

Mir gingen gestern die ersten vier Zeilen eines Gedichts durch den Kopf. Heute erinnerte ich mich nicht mehr an die Formel, nur noch an das Thema, und ich versuchte dieses in Sprache zu setzen. Nutzloser Versuch. Ohne die richtigen Worte in der richtigen Folge ist ein Thema nichts als es selbst.   Mit dem Alter nehmen die Relativierungen zu. Man… Read more →

Den Faden, der sich auf die offene Buchseite vor mir senkte, hatte ich nicht bemerkt, erst die Spinne sah ich, die sich daran herunter liess. Sie bewegte sich zwischen den Zeilen wie in ihrem eigenen Netz. Ich verlor mich darin alsbald wieder, von dem Wesen, das sie gewoben hatte, nicht ausgesaugt, sondern neu belebt.   Manchmal denke ich, die Kunstwerke… Read more →

Gegen die Langeweile kämpfend wirst du selber langweilig. Hörst du ihr zu, beginnt die Langeweile zu reden.   Der Donner von letzter Nacht drohte das Haus aus seinen Grundfesten zu heben. Am Morgen war ich enttäuscht, dass alle Häuser rings noch standen wie zuvor. Mindestens einige zerbrochene Fensterscheiben wären dem grossen Einsatz des Donners gemäss gewesen. Read more →

Unter innerem Druck zu schreiben ist etwas anderes, als unter innerem Zwang zu schreiben. Der Druck begünstigt die Form, die der Zwang zu vernachlässigen tendiert.   Man trifft im Alltag nur selten auf einen Erwachsenen. Die meisten Menschen sind Kinder, bedürftig nach Zuwendung und Verständnis, unsicher, verletzlich, die unentwegt von sich erzählen. Von ihnen wird das Kind, das man selber… Read more →

Woran glauben Sie denn überhaupt? – Ich glaube, was ich weiss. Und gelegentlich ist mein Wissen auch mein Glauben. Zu glauben, ohne dass wissen im Spiel ist, bewegt sich schon im Bereich des Aberglaubens.   Die zwei Elstern schautzen, schnarren und schnaufen jetzt zusammen im Baum ungefähr so, wie die Katzen schnurren. Man möchte sie unterm Hals kraulen. Read more →

Das unvermittelt mitten im Text auftauchende „Wir wollen jetzt ein bisschen schwätzen“ in Jurek Beckers Roman Jakob der Lügner wäre in einem Werk von heute kaum mehr denkbar. Hier muss die Handlung, animiert durch die Erzähltheorien der Literaturinstitute, zügig vorangehen, darf nicht verweilen, muss Fakten liefern. Wie charmant ein Satz wie derjenige Beckers dagegen ist, welche Wärme von ihm ausgeht,… Read more →

Wir haben über Wochen des Frühlings und Sommers so oft Regen und Wolken gehabt, dass bei jedem zufällig hervorbrechenden Sonnenstrahl das Herz aufgeht. Man schaut gleichsam zu, wie es aufgeht; man spürt, wie die Sinne jubeln, die Seele sich dem Licht zuwendet, und erfährt einen der Momente, wo man das, was mit einem geschieht, nur in poetischen Worten ausdrücken kann.… Read more →

Ich suche nach einem Wort wie nach einer entlaufenen Ziege. Zu der Verzweiflung über die vergebliche Suche gesellt sich die Demütigung, dass es mir überhaupt entfallen konnte. Auch wenn es sich später wieder einstellen mag, bleibt die Angst, dass ich sie reihum verlieren werde, die Wörter, und mich nach jedem von ihnen auf die Suche machen muss – wie ein… Read more →

Ich kann jederzeit den Schmerz im Oberarm, der mich seit einem Jahr periodisch heimsucht, ad hoc generieren. Das Gehirn kennt Stelle, Art und Intensität und macht daraus ein Feuerwerk, ohne dass ich mich zu bewegen brauche.   „Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.“ Sie sind aber gestorben. Im Moment, da ihre Geschichte fertig erzählt war, starben… Read more →