Die Autorin schreibe, heisst es im Verlagsprospekt „mit beiden Beinen auf dem Gaspedal, ohne die geringste Hemmung (…), ohne Rücksicht, ohne Scham, ohne Bremse.“ Der Roman als Selbstmordbegleiter. (Dumont)   Der Gott des Neuen Testaments richtet mit Güte, der Gott des Korans mit Strenge. Zwei Spielarten des autoritären Prinzips.   Read more →

Die Welt wurde laut dem Talmud durch zehn Antriebe erschaffen, unter anderem durch Schelten – „denn es steht geschrieben: ‚Himmelssäulen schwanken und sind bestürzt vor seinem Schelten.’“ Read more →

Meldung des I-pads nach 5 Minuten Buchlektüre: „Glückwunsch, du hast dein heutiges Leseziel erreicht.“ Und heute rapportiert er: „Dein Rekord beträgt 11 Tage“, er meint die Buchlektüre in Folge. Seine Lesemotivation für mich: Ausdauer. Steigerung des Durchhaltevermögens.   Den ganzen Frühling hindurch habe ich jedes neue Blatt im Garten gezählt und jedem schiefen Stängel aufgeholfen, ohne dass es mir auch… Read more →

Proust über die Frauen: „denn Albertines Rede hatte bereits etwas so sinnlich Schmeichelndes, dass sie, beim blossen Sprechen schon, einen zu küssen schien.“ Etwas später: „Deswegen sind die etwas schwierigen Frauen, die man nicht auf der Stelle besitzt, von denen man nicht einmal gleich weiss, ob man sie jemals besitzen wird, die einzig interessanten.“  (Die Welt der Guermantes)   Ein… Read more →

Mitten in der Stadt wird sie von einem jungen Typen angespuckt einzig deshalb, weil sie alt (und eine Frau) ist. Dass man während des Lockdowns vermehrt Rücksicht auf Alte und Gefährdete nahm, hat umgeschlagen in Hass. Um jeden Preis muss nun die alte Ordnung wieder her.   Proust über die soeben gestorbene Grossmutter des Erzählers: „Auf dieses letzte Lager hatte… Read more →

Den ganzen Morgen erzählt die Mönchsgrasmücke eine Geschichte, und durchaus nicht immer dieselbe. Ich verstehe nichts, geniesse nur einfach das Zuhören, Rhythmus und Duktus, „das tief erregende in maass und klang“, wie Stefan George das Wesen der Dichtung umschrieb. Art pour l’art der Natur – der kleine Vogel als epischer Dichter.   Das Quarantänedasein befördert auf beängstigende Weise die Tendenz,… Read more →

Den ganzen Morgen erzählt die Mönchsgrasmücke eine Geschichte, und durchaus nicht immer dieselbe. Ich verstehe nichts, geniesse nur einfach das Zuhören, Rhythmus und Duktus, „das tief erregende in maass und klang“, wie Stefan George das Wesen der Dichtung umschrieb. Art pour l’art der Natur – der kleine Vogel als epischer Dichter.   Das Quarantänedasein befördert auf beängstigende Weise die Tendenz,… Read more →

Der Zufall malt in das Fensterquadrat vor mir ein Bild. Darauf stehen die Teekanne, vielmehr ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe, und neben ihr, draussen am Strässchen, halb so gross wie sie, ein Hydrant. Sie sind einander leicht zugewendet, als wollten sie ein Gespräch beginnen, und so, in ihrer Zweisamkeit, ihrer Verwandtschaft als Wasserspender, werden sie Mutter und Sohn.   Der… Read more →

Immer häufiger das Gefühl, in einer Seifenblase zu leben, die über einer wunderschönen, mag sein sogar wirklichen, allerdings menschenleeren Landschaft dahin schwebt.   Der Körper ist immer im Jetzt. Read more →

So wie in Frankreich zur Zeit des Lockdowns jedermann einen Passagierschein braucht, um die Dringlichkeit seines Erscheinens draussen zu belegen, sollte für jedes Adjektiv, das in einem Text auftritt, eine Begründung für sein Dastehen verlangt werden. Verschärfter Lockdown: ein Passagierschein für jeden Satz.   Vögel bringen den Raum in Erinnerung, Knospen die Zeit.   Read more →