Links das geputzte und frisch geordnete Regal, rechts das Regal, wie es seit Jahren dasteht. Kaum ein Unterschied auszumachen. Warum also putzen und ordnen? Vielleicht um etwas ins Fliessen zu bringen? (Feng Shui: „Wind und Wasser“)   Das dürre Blatt, das der Wind über die Strasse schiebt, metallisch schimmernd, sich ruckweise fortbewegend, gleicht einer aufziehbaren Maus, und jedes Mal, wenn… Read more →

Gazakrieg: Jede und jeder Tote auf beiden Seiten wird zurückkehren – als Regung des Hasses, als Impuls nach Vergeltung. Wir sehen einen Krieg, und wir sehen in seinem Schoss den nächsten, fürchterlichen, nicht enden wollenden Krieg erwachen.   Es braucht viel guten Willen dazu, aus der Nässe, der Kälte, dem Nebel ein Ganzes zu machen, dem man Tag sagen kann.… Read more →

An der Kafka-Ausstellung im Zürcher Strauhof folgen die Augen mit Erschütterung den Schriftzügen, mit denen der sterbende Kafka sein berühmtes literarisches Testament an Max Brod geschrieben hat, worin er ihn beauftragte, alle seine Schriften und Briefe zu vernichten, auch Briefe von Dritten zurückzufordern, um sie ebenfalls zu vernichten. Allerdings – die beiden hatten über Kafkas Forderungen zuvor schon gesprochen und… Read more →

Mit geschlossenen Flügeln stürzen die Elstern auf die Fressstelle zu wie über die Dächer geschossene Pfeile, bevor sie im letzten Moment ihren schwarzweissen Bremsfächer öffnen und sicher landen.   Der Hydrant hier grüsst nicht jeden Tag.   Verschreiber: ein führender Vertreter der Finanzbrache.   Read more →

Die Nachbarin hat einen besonderen Ton für den Gruss von Haus zu Haus, schrill und durchdringend wie eine Schulhausglocke, nach dem Ertönen sofort verstummend. Jeden Tag ist einmal Grussalarm.   Im angestauten Tauwasser spiegeln sich die vom Schneepflug hingeschobenen Eis- und Schneebrocken, der Strassenrand sieht aus wie eine Meerlandschaft mit Eisbergen und die Katze, die sich hingesetzt hat, wie ein… Read more →

Die Nachrichten vom Krieg in Nahost und in der Ukraine verwüsten mich innerlich, machen mich verzagt und ratlos. Dennoch verfolge ich sie täglich, es ist ein Akt der Solidarität. Wenn ich ihnen schon nicht helfen kann, will ich doch wissen, wie es den Menschen dort geht. Das ist eine Art der Anteilnahme, ein Mich-Verneigen vor ihrem furchtbaren Schicksal.   Nachrichten… Read more →

Kurzer Tag, kürzester Tag des Jahres, ohne Sonne, ohne Schatten, wolkenüberzogen und regnerisch, kaum je richtig hell, von dem man froh ist, wenn er vorbei ist – der es aber doch erlaubt, einen Tee zu trinken, ein Telefongespräch zu führen, einem Vogel zuzusehen, der im Wind seine Eleganz entfaltet, alles in allem ein Tag, der, wie man am Abend feststellt,… Read more →

Aus einer beschädigten Tasse den Tee trinken, als wäre sie kostbar und ganz, sogar mit mehr Würde als gewohnt.   Der mächtige Orangenschnitz des Mondes versinkt hinter dem Bergrücken und nimmt seinen Lichtschein mit. Über das nächtliche Dorf spannt sich der diamantene Teppich des Sternenhimmels. Es ist windstill, in mir breitet sich die eisige Wärme der Ewigkeit aus. Read more →

Man ist kein besserer Mensch, wenn man seine Abfälle ordentlich entsorgt, nur ein besserer Bürger.   Ich rede nicht, wie ihr glaubt, um den heissen Brei herum. Ich rühre bloss im Wortbrei, labere und rühre, bis mir das Wort einfällt, das ich suche.   Verschreiber: „ich konnte nicht schreien“ statt „ich konnte nicht schreiben“. Verschreiber?   Die Körperlichkeit des Nebels,… Read more →

Während der Frosttage behielt das Basilikum sein Grün. Jetzt, wo es auftaut, ist es unvermittelt ins Sterbebraun gefallen. Es hatte die Kraft des Widerstands, nicht aber die zur Wiederkunft.   Gegen ein Dutzend Milane, die im auffrischenden Wind gegenseitig ihr Luftballett begutachten.   Der zuschlagende Fensterladen an der Westfassade, Siegeszeichen für all das Ungebundene um das Haus. Read more →