Ein Spatz hat sich so in den Baum gesetzt, dass ein in der Sonne glänzendes Blatt ihm wie eine Spitzhaube auf dem Kopf zu sitzen scheint. Kaiser Sperling. Wie ich das denke, bemerke ich die Schönheit seines Federkleids. Das Wort Kaiser hat ihn zum Edlen geschlagen. Als ob er solch menschlichem Räsonieren entkommen wolle, fliegt er aus dem Baum, der… Read more →

Er zögert die Beendigung seines Buches seit Jahren hinaus, aus Angst, danach keine Herausforderung mehr zu haben.   Wer von der Welt nichts erwartet, muss nicht erstaunt sein, wenn sie auch von ihm nichts erwartet.   Das Leuchten der Zehennägel im Dämmerlicht, eine perlmuttfarbene Verzierung, die noch den hässlichsten Füssen etwas ästhetisch Verspieltes gibt. Read more →

Die Ameise, die das Bein hochklettert, zwickt mich in regelmässigen Abständen, als präge sie der Haut lauter kleine Buchstaben ein.   Der treffendste Name für Allah ist „der Allversteher“. Nur Gott kann alles verstehen. Falls er etwas nicht versteht, und sei es das Nebensächlichste, ist er nicht Gott.   Read more →

Wenn ich keinen tiefen inneren Anlass zum Schreiben habe, stellen sich doch kleine äussere Anlässe ein, die notiert werden wollen, und genau das ist der tiefere Anlass: den Dingen einen Atem geben.   Immer öfter höre ich einen Freund am Ende eines Gesprächs sagen: Erzähl mir bitte noch etwas Positives! Read more →

Kaum ist das erlösende Gewitter vorbei, erheben sich die Leute von ihren Stühlen, als wäre auf der Bühne der Natur die Pause angebrochen und es dränge sie hinaus, ihre Bedürfnisse zu erledigen. Setzlinge werden gesteckt, es wird gesät, gejätet, ausgedünnt, bevor sich der Wolkenvorhang wieder hebt und die Jahrhundertvorstellung „Hitzetage“ weitergeht. Read more →

Gedanken

Es gibt eine Abteilung Gedanken, die ganz für sich ist, nicht an die übrigen Gedanken angeschlossen, von ihnen nicht kontrolliert und ihrerseits ohne Macht über sie, ein Trupp piratenartiger Herumspringer, der auf nichts reagiert und nichts in Bewegung setzt, so dass er bisher unentdeckt und unerforscht geblieben ist. Er gehört auch nicht zu den Die-Gedanken-sind-frei-Gedanken, wie sie sich vor allem… Read more →

Kommt aus dem Osten die Bise, denke ich: Der Wind kommt direkt vom Krieg in der Ukraine. Bei Südwestwind denke ich: Der Wind zieht Richtung Ukraine in den Krieg. Herrscht Windstille wie jetzt, höre ich die Einschläge der Granaten.   Read more →

Der Wind blättert mein Buch einige Seiten zurück und liest dort eine Stelle nach, die er vergessen hat, zerstreut wie er ist. Den Tod kann ich nicht erfahren und nicht denken, nur das Sterben, die Todesangst, die Begrenzung des Lebens. Der Tod als Nichtsein, Gewesensein ist das schwarze Loch des Bewusstseins, in dem alles verschwunden ist. Das Sterben ist sein… Read more →

Man nimmt nie ein Bad in derselben Menge, aber man ertrinkt in immer denselben Parolen, auf die hin sich eine Menge versammelt.   Read more →

Von dem Pfosten hinab auf den Boden fliegend und von da mit einem Käfer im Schnabel stracks zum Ast des Baums, schreibt der Rotschwanz ein V in die Luft. Später, beim Haschen eines Insekts im Bogen zurückkehrend auf seinen Stammplatz, ein O. Weiter kommt er nicht beim Schreiben des Worts VOGEL. Am G sind bisher alle seine Loops und Spiralen… Read more →