In den Zeiten des Bienensterbens und der Varroamilbe begrüssen die Augen im Garten jede einzelne Biene mit ausgewählter Zuvorkommenheit wie Prousts Madame de Villeparisis in ihrem Salon diese Herzogin und jene Durchlaucht.   Gegen die Schäfchenwolken vor dem tiefblauen Himmel, gegen diese Kinderbuchverlorenheit den gelben Kran zu Hilfe holen, der seinen Warnfinger in die Idylle hinein streckt.   „Regen macht… Read more →

Sturm und Hagel sind angesagt, man kann nichts dagegen tun ausser noch rasch die Tomaten zu pflücken, um sie vor Schäden zu bewahren. Klimaveränderungen sind angesagt, weltweit werden die Tomaten gepflückt. Alle tun noch rasch etwas Kleines, da es zu spät ist, die Katastrophe noch zu stoppen.   Mit zwei Lauten durchs Leben kommen wie die Türkentaube, und alle Leute… Read more →

26 Störche zählte ich gestern Abend im Dorf, auf jedem zweiten Giebel um die Dorfmitte herum sassen einer oder mehrere, während der Dorfrand leer blieb. Sie hoben sich erst weiss vom blauen Himmel ab, dunkelten dann ein, bis sie als Silhouetten im letzten Abendlicht standen, unbeweglich, ab und zu einen Flügel spreizend oder mit dem Schnabel in den Federn nestelnd.… Read more →

Finden ohne gesucht zu haben. Viel schwieriger: Suchen ohne je gefunden zu haben (Unzufriedenheit als Motor der Kunst?).   „Ein Gegenstand auf der Fahrbahn“ – eine der wenigen Gelegenheiten für das Wort Gegenstand, wo es seine Farblosigkeit und Zurückhaltung aufgeben und seine Wichtigkeit ausspielen kann.   Untransportable Güter: der Enthusiasmus; der Wind; die Stille. Festzuhalten und weiterzureichen sind sie nur… Read more →

Heute hat die Menschheit (der konsumierende Teil) den Vorrat für das Jahr 2019 aufgezehrt. Bedenkenswerte Worte im Radio. Anschliessend die Erfolgsmeldungen der Börsen, vorgetragen von einer siegesgewissen Moderatorenstimme. Die Schizophrenie ist so alltäglich geworden, dass sie nicht mehr auffällt, am wenigsten den JournalistInnen.   Der Kontakt zwischen dem Buch und mir brach nach wenigen Seiten ab. Ich glaube, es ist… Read more →

Der feine Regen fühlt sich auf der Haut an wie Nadelstiche. So wie in Kafkas Strafkolonie dem Verurteilten ein Urteilsspruch in die Haut gestochen wird, ritzt mir der Regen eine Botschaft auf den Leib. Sie folgt keinem erkennbaren Muster. Bleib offen, lese ich.   Glück haben: man wird beschenkt, man kommt mit einem blauen Auge davon. Glück sein: man befindet… Read more →

Der Freie hat die Wahl, und frei ist er, wenn er sie akzeptiert.   Das Gewitter diese Nacht verschlafen. Kommt mir vor wie einen wichtigen Film verpasst zu haben. Read more →

Wanted

„Die traditionelle Lohnscheren-Untersuchung der Unia hat ergeben, dass das Verhältnis zwischen höchstem und tiefstem Lohn in den 36 grössten Unternehmung der Schweiz 2018 auf sehr hohem Niveau verharrt: 1:134. Spitzenreiterin ist die UBS, wo der tiefste Lohn 1/267 desjenigen von CEO Sergio Ermotti ausmacht. Laut Unia-Bericht greifen aber auch die Aktionärinnen und Aktionäre kräftig zu, am meisten die Blochers: 2018… Read more →

Notiz bei Peter Handke: „Lindenblüte im Schuh: Es ist Abend“ (Vor der Baumschattenwand nachts). Eine Alltagssreflexion. Eine Notiz am Rand. Stünde anstelle des Doppelpunkts ein einfacher Punkt, die Zeile würde zum Gedicht. Die Geschichte des Wanderers würde erzählt, die Geschichte einer grossen Müdigkeit, die Geschichte eines Frühsommers. Der Tag würde zum Geheimnis. Welten gingen auf, durch einen Punkt. „Lindenblüte im… Read more →

Ein Schwarm Stare fällt mit lautem Rauschen in eine mächtige Linde ein. Ein Teil von ihnen verfehlt die Krone, fegt wie ein Wasserstrahl über sie weg, spritzt auf die nächstgelegenen Bäume. Das Rauschen geht in ein Plätschern und Gurgeln über.   „ … während er sich müht, dem Netz, in dem er sich selbst gefangenhält, eine neue Masche hinzuzufügen …“… Read more →