Im Augenblick der Liebe, wenn die Kontinuität einen Sprung bekommt und sich einkrümmt, geht die Zeit ihrer Wege. Unbeirrt schreitet sie voran. Erst lange nach dem Akt erinnert man sich ihrer und versucht, sie wieder einzuholen. Oder man lässt sich von ihr einholen? Abholen? Man lebt jedenfalls wieder zusammen. Zeitensprünge machen ihr nichts aus, sie bleibt zuverlässig die stärkere.  … Read more →

Mein Vorstellungsvermögen bringt es nicht fertig, am Morgen im Bett zu imaginieren, dass ich fünf Minuten später unter der Dusche stehe. Und unter der Dusche, wie ich anschliessend nach draussen gehe. Und draussen, wie ich im Zimmer am Schreibtisch sitze. Der Körper dagegen als Sitz dessen, was Sache ist, macht aus der Potentialität ganz selbstverständlich fortlaufende Realität.   Ein Grünspecht… Read more →

Das Gedicht, das ich gestern schrieb: sowas von schlecht! Die reine Depression. Ich werde es beiseitelegen und in einigen Monaten wieder hervorziehen. Dann ist es noch immer sowas von schlecht!, doch hat es seine Depression vielleicht überwunden, und man kann mit ihm reden.   Mein Leben ist und war nichts als ein grosser Irrtum. Ein Irrtum wessen? In welcher Beziehung?… Read more →

Die Katze geht über die Strasse, legt sich in der Mitte auf den Boden, dreht sich auf die Seite, dreht sich auf den Rücken, dreht sich zurück, alle Viere in die Luft gestreckt, setzt sich auf, leckt sich den Bauch, kratzt sich am Ohr, steht auf und geht weiter auf ihrem Weg über die Strasse. So mögen wir sie am… Read more →

Georges Perros vergleicht das Kunstwerk mit einem Mordprozess, in dem die Mörderin schweigt. Diese weiss die Wahrheit, die andere zu eruieren suchen. „Jedes Kunstwerk ist derart um ein Schweigen herum geschaffen, um ein wissendes Schweigen, das aber sein Geheimnis bewahrt.“   Der Basilikum vor dem Fenster ist auf dem Weg vom Grün des Sommers zum Gelb des Welkens etwa in… Read more →

Jetzt beginnt wieder die Zeit, wo die Sonnenstrahlen in blitzenden Strichen über die Spinnfäden eilen und mitten im Lauf ins Nichts zerspringen.   Alle Menschen leben im Dazwischen und füllen es aus.   Read more →

„El Condor Pasa“ klingt an diesem Herbstmorgen aus dem halboffenen Fenster des Nachbarhauses. Das setzt einen übers Meer in eine andere Jahreszeit, ein anderes Jahrzehnt, einen anderen Körper, einen anderen Geist – in eine Euphorie, die nur eine sein kann, weil man weiss, es ist bloss das halboffene Fenster des Nachbarhauses, das einem kurz Einlass gibt, man muss nicht darin… Read more →

Ich rede im Traum momentan nicht, handle nicht, sehe bloss einem verworrenen Geschehen zu; selten haben meine Träume so unverblümt mit der äusseren Wirklichkeit zu tun gehabt.   So mickrig ein Baum auch sein mag, wenn es regnet, rauschen seine Blätter wie ein halber Wald, und bei geschlossenen Augen wird dieser unschwer zum ganzen. Read more →

Das Brachland: die Raum gewordene Musse. Man geht in ihm wie in einem Würfel aus den drei Dimensionen Länge, Weite und Zeit.   „Hallo, wie geht’s?“ Der junge Kaminfeger, den ich noch nie gesehen habe, steht mit lachendem Gesicht unter der Tür und kündet sein Kommen an, als ein wahrhaftiger Gruss- und Glücksbringer. Read more →

„Gereizt durch diese Unterbrechung nahm der Herzog seine Frau ein paar Sekunden unter das Feuer eines drohenden Schweigens.“ (Proust, Die Welt der Guermantes)   Unmerklich: eine mitten im Sommer, selbst an heissen, hellen Tagen, in das Licht sich einschleichende herbstliche Gebrochenheit. Und wie man, ohne krank zu sein, im Alter zunehmend die Kräfte verliert, deren Herr man noch immer zu… Read more →