Autor: Rudolf Bussmann

Am Rand der Brachfelds ein Büschel Grashalme, hochgewachsen, die im Wind sich unablässig bewegen. Stellt man sich ihre Ähren als feine, in weisse Farbe getunkte Pinsel vor, werden sie am Ende des Tages an den Himmel ein weisses Rechteck gemalt haben, eine lückenlose Fläche aus einem Chaos einzelner Striche, die Luftvariante von Kasimir Malewitschs Schwarzem Quadrat. Aussterbende Arten: der Pfiff… Read more →

Nieselregen, vom Nass zu Boden gedrückte Grashalme, eine erbärmlich miauende graue Katze, das ist der erste Auftritt des Juni. Umständlich steigt die Frau vor dem Bahnhof aus dem Wagen, geht zum Automaten und lässt ein Präservativ heraus, während ihr Mann oder Liebhaber bei laufendem Motor wartet. Den Ideen Raum und Zeit geben. Und wenn sie nicht kommen? Ihnen noch mehr… Read more →

Die Blicke des Arbeiters, der mit dem Tram nach Feierabend heimfährt, hängen an einer junge Frau mit grossen Lippen und pechschwarzem Haar. Sind begehrlich und verächtlich zugleich, und so unverschämt direkt, als ginge es darum, ihren Preis zu schätzen. Der Regen lässt heute überhaupt nicht mehr nach. Das ist übrigens auch nicht seine Aufgabe. Read more →

Der Feueranzünder

Zum Beispiel den Feueranzünder bemerken, der daliegt, als möchte er aufstehen und mit einer Flamme auf dem Kopf über sich hinaus wachsen. Der in die Hand genommen und hingestellt werden kann. Der jetzt dasteht wie eine Statuette aus altägyptischer Zeit. Der zuschaut, wie der Funke springt, das Papier Feuer fängt, wie der Raum in Brand gerät, Licht in die Dinge… Read more →

In die Mittagsstille hinein rufen die Sperlinge? Mit ihren Rufen schaffen sie die Stille erst . Dank ihrem Getschilpe wird diese manifest. Sie schaffen, befeuern und erhalten die Stille. Die Küchenschürze ablegen und vom Koch zum Gast werden. Read more →

Einer verirrten Hummel das Fenster geöffnet und sie mit einem Bückling in die Freiheit entlassen.   Als ich den verspäteten Zug endlich nahen hörte und den Kopf nach ihm wenden wollte, flog ein Zitronenfalter übers Geleise, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog, und jetzt verwünschte ich den einfahrenden Zug, der meine Sicht auf das muntere gelbe Flugspiel nahm.   Im… Read more →

Lebensalter: der Eltern überdrüssig – der Politik überdrüssig – sich selber überdrüssig.   Der Storch, ruhig dahinziehend im Wind, segnet mit ausgebreiteten Flügeln das Land.   Vom Aussterben bedrohte Art: der Feldweg     Read more →

Sie erwacht um 18 Uhr auf dem Sofa aus so tiefem Schlummer, dass sie glaubt, es sein morgens früh um sechs Uhr. Sie macht sich einen Kaffee, stellt den Kehrichtsack vor die Haustür, nickt dem Frisör zu, der so früh schon eine Kundin bedient, und erst als sie das Schlafzimmer lüften will, fällt ihr auf, dass ihr Bett unbenutzt geblieben,… Read more →

Ich schlage Prousts Suche nach der verlorenen Zeit auf, dort, wo ich die Szene vor einem halben Jahr verlassen habe, und finde mich augenblicklich in einem Gespräch wieder, das seitdem stillgestanden ist. Nein, das weiterging und sich sechs Monate später im Salon der Madame Verdurin noch immer um sich selber dreht.   Manchmal empfinde ich es als unverdientes Geschenk, wie… Read more →