Autor: Rudolf Bussmann

Schon morgens um zehn Uhr ein sciroccoartig heisser Wind. Die jungen Schwalben unterm Nachbardach haben die Hitze nicht überlebt, sie liegen tot in ihren Nestern. Das Grün der Wälder zusehends durchsetzt mit Herbstfarben. Die Hitze ist stärker als die Disziplin der Jahreszeiten, fast ist man versucht zu sagen: stärker als die Natur. Von Zeit zu Zeit ein verhaltenes Aufglucksen der… Read more →

Das Rund einer Nussschalenhälfte im dürren Rasen wie ein nach Wasser verlangender Mund. (Pass auf, dass dir jetzt nicht alles zur Klimametapher gerät.) Notizen, Tagebücher, kleine Beobachtungen sind eine niedrige Schwelle zur Wirklichkeit, sie lassen zwischen dieser und dem Text hin und her wechseln, ohne dass die Grenze streng gezogen erscheint. „Aufschreiben auf kleinstem Raum, entsprechend dem Bewegen von Billardkugeln… Read more →

Immer mehr Bäume lassen einzelne Äste und Zweige verdorren und stossen sie ab, um das Ganze zu retten: Opferzweige. Der Grünspecht durchquert als hüpfende Grasscholle die Wiese. Die Nachbarsfamilie, mitsamt ihren sechs Fussbällen und den Kindern in die Ferien verreist, hat ihren Lärm bis auf den kleinsten Rest eingesammelt und mitgenommen. „(…) ich hätte die düstere Maske des Verlangens, das… Read more →

Seltenes Glück: ich mache mich nicht an die Arbeit, sondern die Arbeit macht sich an mich heran und verführt mich. Der Verkäufer im Laden sagt mir während des Einkaufs dreimal Bonjour. Mussezeit Juli: Lesen und Schreiben beruhigt die nervöse Gereiztheit, bremst aber auch den Austausch mit der Welt. Kaum ist die stete Suche nach dem inneren Gleichgewicht an ihr Ziel… Read more →

Der Sprache anhand von Vorgängen, Gegenständen, Landschaften etwas Neues entlocken? Oder den Vorgängen, Gegenständen, Landschaften durch die Sprache etwas Neues hinzufügen? Prousts Die Gefangene zusammengefasst in einem Satz: „Albertine in meiner Wohnung zu haben, war viel weniger für mich ein positives Vergnügen, als dass es vielmehr darin bestand, der Welt, in der jeder seine Freude an ihr hätte haben können,… Read more →

An manchen Tagen ist meine Brust leer wie eine Kirche, und jedes noch so leise Geräusch hallt lange nach. Am äussersten Zweig der Linde hängen kleine runde Samenkapseln vor dem Himmel wie Füsschen, die, wenn der Wind sie in Bewegung setzt, im Takt gegen die Spitze marschieren. Im Hitzeflimmern über dem Feld würden Parapsychologen vielleicht das Ektoplasma des Bodens erkennen? Read more →

Am frühen Morgen eine einsame Schwimmerin im ersten Sonnenlicht, selbstvergessen den Rhein hinunter jodelnd. Ist Glück ohne andere denkbar? Ein privates Glück in der Abgeschiedenheit? Nur im Bewusstsein, dass es die anderen gibt, dass zum Beispiel in New York einer von ihnen wohnt. Nur in einer gesteigerten Anwesenheit der Abwesenden. Unterscheide Leute, die dich bei einem Beinahe-Zusammenstoss erstaunt, lachend oder… Read more →

Vermehrt auf die Umwegweiser achten. Überhaupt nur den Umwegweisern vertrauen. Sie preisen kein Ziel an, locken mit keiner Zeitangabe, zeigen einfach den Weg. Ich mit dem offenen Buch und der Jungvogel mit dem offenen Schnabel, beide sind wir bedürftig nach Futter. Könnte man von blossem Heuduft besoffen werden, ich wäre es jetzt. Und lassen wir den Konjunktiv ruhig weg. Das… Read more →

Es gibt Stellen am Körper, auch im Gesicht, wo sich Bläschen bilden, Hautauswürfe, Pusteln, wo etwas sich vom Ganzen lossagt, fortan in trotziger Segregation für sich bleiben will, als Körperverweigerer, wie es Staatsverweigerer gibt. Die Wohltätigkeit des Windes, der einen Zweig leicht bewegt. Eigentlich fast schon eine Heiltätigkeit. Ein Hundstag Gebell. Ein Katzenwurf Maunzen. Eine Kuhhaut Muhen. Read more →