26 Störche zählte ich gestern Abend im Dorf, auf jedem zweiten Giebel um die Dorfmitte herum sassen einer oder mehrere, während der Dorfrand leer blieb. Sie hoben sich erst weiss vom blauen Himmel ab, dunkelten dann ein, bis sie als Silhouetten im letzten Abendlicht standen, unbeweglich, ab und zu einen Flügel spreizend oder mit dem Schnabel in den Federn nestelnd. Eine grosse Ruhe ging von ihnen aus, die das Dorf in das Jahrhundert von Matthias Claudius versetzte. Heute Morgen kreisen wieder welche über den Feldern mit ruhigen, gleichsam segnenden Flügelschlägen.

 

Vollkommene Windstille. Drückend, heiss. Das Gefühl, nicht mehr an die Welt angeschlossen zu sein. Beruhigendes Geräusch der Eisenbahn aus der Ferne – es gibt noch ein Hierher und ein Dorthin.

 

Ein Sonnenbad. Eine Schattendusche. Eine Windmassage.

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