Elsterntanz

Eine Elster versucht, aus einer Ritze im grobgezimmerten, aus senkrechten Latten gefertigten Scheunentor mit ihrem Schnabel etwas herauszuziehen, was sich dort verklemmt hat. Sie flattert hoch, will sich irgendwie festkrallen, pickt in die Ritze, flattert auf den Boden zurück, dann gleich wieder hoch, hakt sich mit den Krallen im Holz fest, pickt von der Seite her, gleitet zu Boden, pickt von der andern Seite her, und so ein Dutzend Mal, ein Vorbild an Ausdauer und Durchhaltewillen. Beim vielleicht zwölften Mal fällt aus dem Spalt ein rundes Ding, eine Baumnuss vermutlich, auf die sich die Elster sofort stürzt, auf dem sie herumhackt, gezielt, gekonnt, ohne in Euphorie oder Triumph zu verfallen, ganz bei der Sache: ihrer alltäglichen Nahrungssuche.