12-19

Der Junge, der mit seiner Mutter im Zug neben mir sitzt, hat einen Teil meiner Zeitung erbeutet und geht daran sie wie ein Erwachsener zu lesen, hält sie jedoch verkehrt herum. Er wird ungeduldig, reisst die Seite ein, zerknüllt sie, glättet sie wieder, liest sie erneut, und ich beneide ihn um den wunderbar schwerelosen Umgang mit den täglichen Botschaften des Schreckens und der Sinnlosigkeit.

 

Wir haben nicht die Ruhe uns drei Küsse links, rechts, links zu geben, halten vielmehr beim ersten inne und beginnen, da wir uns lange nicht gesehen haben, ungeduldig zu fragen und zu reden. Während des ganzen Gesprächs habe ich das Gefühl mich im Zustand einer nicht zu Ende kommen wollenden Zärtlichkeit zu befinden.

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