Die Matthäuspassion hält jedes Mal einen Schluchzmoment bereit, stets an einer andern Stelle. Gestern war es in der Schlafszene der Jünger. Jesus muss sie an den Ernst der Situation erinnern, daran, dass er leidet. Der Covidkranke in der Intensivstation, den Tod vor Augen, der sich die Angehörigen herbeiwünscht, die ihn vielleicht schon fast vergessen haben.

 

Eine Fliege hat sich als Sterbeort mein Fenster ausgewählt, dort hängt oder klebt sie, als ob sie sich gleich aufmachen würde, startbereit, auf den Bewegungsimpuls wartend. Ich stehe auf und wische sie mit der Hand weg. Ich mag keine Als-ob-Fliege, keine metaphorische Fliege, heute müssen klare Verhältnisse um mich sein.

 

Die blasse Schminke des Mondlichts auf dem Knochengesicht des kahlen Baumes dort.

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