Prousts „Recherche“ lese ich mit Vorliebe im Sommer, wo ein Satz mit seinen nicht enden wollenden Perioden, seinen Einschüben, Klammern, Abschweifungen, Präzisierungen und Digressionen zu Ende gehen kann, ohne dass die Sonne schon untergegangen ist. Die Tageshelle ist für die sieben Bände auch dort, wo sie in einem Pariser Salon spielen, eine willkommene Begleitung. Sie grundiert die Buchseiten gleichmässig mit der Kindheitshelle des Gartens von Combray.

 

Ein Kohlweissling flattert nun schon zum dritten Mal dem dunklen Thuja entlang, als sei er dabei, eine Aufführung zu proben, in weissen Gewändern und ausdrucksvollen Gesten wie die wiederauferstandene Seele der Isadora Duncan.

 

Ältere Frauen, deren Gesicht und Arme von Runzeln bedeckt sind, haben oft einen Rücken mit makelloser, straffer Haut. Am Rücken lässt sich ihre Jugend noch immer streicheln.

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