Ein Morgen, der mich aus Geräuschen erschafft. Aus dem Knacken des Bodens. Dem Geräusch der sich öffnenden Tür. Dem Knarren der Schwelle. Dem Tappen über Fliesen. Dem Rauschen von Wasser in eine Pfanne. Ich bin das Blättern eines Buches, das Klicken der Tasten, das Aufschlagen der Tasse auf dem Unterteller. Geräusche als Lebensbestätigung. Leben als Geräusch – wie andere als Spiegelbild oder als Mikrophonstimme leben.

 

Die Aufgabe der Poesie ist es, aus all den hochgestemmten Worten, den hypostasierten Begriffen, Übersteigerungen, Superlativen, den aufgeblasenen Wendungen die Luft abzulassen und aus den überdehnten, verbrauchten Hüllen kleine haltbare Taschen und Behälter zu nähen.

 

Kein Laut im Zimmer zu hören (die Wohnung unter mir von einem Toten hinterlassen, die Wohnung neben mir ebenfalls). Unwillkürlich bewege ich mich so leise wie möglich, als verlange die Stille es von mir.

 

Von „leise“ gibt es keine Substantivierung. „Mit grosser Leisigkeit“? Geht nicht. Nur „Leisetreterei“ existiert – wohl kein Zufall in einer Kultur, in der die Begriffe gerne ins Moralisierende abstürzen.

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